Lost Girls – Menneskekollektivet

Sorgfältige Klangarbeit, laute Gitarrensounds und umwerfende Synthesizer. Das Debüt der LOST GIRLS um Jenny Hval und Håvard Volden ist unmöglich zu fassen.

Die norwegischen Freunde Jenny Hval & Håvard Volden spielen mit verträumten Texturen, beschädigten Clubformen und experimentellen No-Wave-Atmosphären und machen aus diesem Debüt eine warmblütige Erforschung der Sinnlichkeit über die künstlerischen Prozesse. Das letzte Mal, als Jenny Hval ein Album veröffentlichte, war es das charakteristisch brillante „The Practice Of Love“ aus dem Jahr 2019. Sie ist mit etwas Neuem zurück, aber diesmal ist sie nicht allein. Seit über 10 Jahren arbeitet Hval kontinuierlich mit dem Multiinstrumentalisten Håvard Volden namens Lost Girls zusammen. 

Das eröffnende Stück beginnt mit einigen Synth-Akkorden, die Håvard spielt. “The song started out with some synth chords Håvard played,” erklärt Hval. “I felt they sounded like the beginning of the world, or a world, so I wanted to improvise words to them that somehow expressed a beginning of a world. They don’t make sense like a written lyric should, but they are trying to make sense of something, a moment, a slow transition. On this track, the voice, and the music too, slowly makes its way from alone to together.”

„Menneskekollektivet“ wurde konzipiert, nachdem die Freunde im März letzten Jahres in einem Studio zusammen kamen; Sie nutzten die Zeit, um Songs zu improvisieren und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu erkunden. „Menneskekollektivet“ ist das Ergebnis dieser musikalischen Neugier, die darauf beruht, dass Hval und Volden die Stärken und Schwächen des anderen genau kennen. Volden’s Instrumentalpassagen stehen oft im Mittelpunkt, bevor Hval’s Stimme willkürlich in den Vordergrund gerückt wird, aber die beiden klingen ansprechend ungebunden, indem sie konservative kreative Bedenken einschränken. Diese Songs laufen frei und entwirren sich langsam und stets sehr einfallsreich.

„Menneskekollektivet“ ist in erster Linie eine Tanzplatte, ein berauschender Cocktail aus gedämpften Drumcomputern und hypertrophierten Synthesizern. Es ist eine Freude, jemanden wie Hval dabei zu beobachten, die normalerweise zielgerichtet und direkt mit der Sprache umgeht, loszulassen, und diese Freude überträgt sich auf die flackernde, warmblütige Musik. Das soll nicht heißen, dass ihre Worte bedeutungslos sind, nur dass ihre Betonung mehr auf Klang als auf Sinn liegt. In „Carried by Invisible Bodies“ spricht Hval über das Geschichtenerzählen. „Right now“, sagt sie mit neugieriger Stimme, als würde sie nach ihren Worten in der Luft suchen, „there are two – there’s like double fiction.“ 

Während sie sich durch die Gegend tastet, segeln die Drum Machines wie ein perfekter Aufschlag durch den Weltraum. Sie greift sanft nach Phrasenpartikeln, beobachtet, wie sie sich zerstäuben, und verfolgt diese bis an Ihr Ziel. „Menneskekollektivet“ ist eine Aussage über die Schönheit der Verlangsamung, sich keine Gedanken darüber zu machen, was wir sagen, sondern sich stattdessen darauf zu konzentrieren, wie wir uns fühlen.

9.2