Joan of Arc – Tim Melina Theo Bobby

Durch zahlreiche Besetzungswechsel, künstlerische Veränderungen und unterschiedliche Prioritäten haben JOAN OF ARC immer ihre Konstante im rätselhaften Genie ihres einzigen allgegenwärtigen Mitglieds, Tim Kinsella, gefunden.

Die Band gründete sich 1995 um den leidenschaftlichen Gesang, das stumpfe Denken und das kreativ grenzenlose Songwriting des ehemaligen Cap’n Jazz-Mitglieds Tim Kinsella. In den nächsten Jahren erweiterten Kinsella und eine rotierende Besetzung von Musikern die konzeptuellen Grenzen dessen, was Joan of Arc auf über einem Dutzend Alben auszeichnen sollte. Nachdem sie sich entschieden hatten, die Gruppe aufzulösen, betrat die zuletzt aktive Besetzung das Studio und wusste, dass das, was sie aufnahmen, die letzte Aussage einer Band sein würde, die zweieinhalb Jahrzehnte damit verbracht hatte, einen Sound zu kreieren, der wild, spezifisch und auch irgendwie grenzenlos schien.

Joan of Arc haben sich in den letzten 25 Jahren – und 24 Studioalben – sowohl in der Musik als auch in der Komposition kontinuierlich und furchtlos weiterentwickelt. „Tim Melina Theo Bobby“ ist nach der aktuellen und wohl endgültig letzten Besetzung von Joan of Arc benannt: Tim Kinsella, Melina Ausikaitis, Theo Katsaounis und Bobby Burg. Das resultierende Album ist ein angemessen vielfältiges Amalgam der verschiedenen künstlerischen Bereiche der Mitglieder und verbindet die Emo-Wurzeln von Joan of Arc mit alternativen, Indie- und experimentellen Rock-Einflüssen. Dementsprechend ist „Tim Melina Theo Bobby“ ein beispielhaftes und sehr persönliches Album in der Karriere von Joan of Arc.

Obwohl Joan of Arc immer Elektronik in ihren Sound integriert haben, ist sie hier gedämpfter vorzufinden. Viele Songs werden von Synths geleitet und der kuriose Instrumental Track „Land Surveyor“ hat mehr mit dem Moon-Walking-Electro von Mouse on Mars aus den frühen 2000er Jahren zu tun als mit dem organischen, elektronisch angehauchten Rock der letzten Alben der Band. Natürlich wäre „Tim Melina Theo Bobby“ kein Joan of Arc Album ohne einen angemessenen Anteil an Experimenten. Mit Ausikaitis‘ souverän seltsamem Gesang wechselt „Something Kind“ im Handumdrehen von dezenten, nebulösen Indie Rhythmen zu bombastischen, verzerrten Gitarrenriffs. Und später verzichten „Land Surveyor“ und „Dawn of Something“ ganz auf den Gesang. 

Während „Land Surveyor“ eine einfache Synth Melodie mit stetigem, rhythmischen Bass über ein synkopiertes Schlagzeug erhebt, verwendet „Dawn of Something“ vergleichbare Elemente, um ein lebendiges, langsam aufgebautes Wüstenrock Ambiente zu schaffen. „Tim Melina Theo Bobby“ nimmt dann eine unerwartete Wendung in „Feedback 3/4“, einem atmosphärischen, Techno-infundierten alternativen Track, der die stimmliche Vielseitigkeit von Ausikaitis demonstriert. Es ist vielleicht jetzt der Moment gekommen, dafür dankbar zu sein, dass „Tim Melina Theo Bobby“ alles andere als mit den Vorstellungen vom Ende beschäftigt ist. Angetrieben von der gleichen melancholischen Neugier, die die bisherige Karriere der Band verkörperte, ist dies stattdessen ein wunderbar passendes Ende dieses besonderen Kinsella-Abenteuers. Zumindest für den Augenblick.

9/10