Clap Your Hands Say Yeah – New Fragility

Das sechste Album von CLAP YOUR HANDS SAY YEAH wechselt im Zusammenspiel zwischen sozialem Bewusstsein und lockeren Harmonien, während Frontmann Alec Ounsworth mit gemischten Gefühlen niemals die Einheit erreicht, nach der sich NEW FRAGILITY sehnt.

Bei dem Namen Clap Your Hands Say Yeah steigen die nostalgischen Gefühle ungezügelt an die Oberfläche und Gott, was hatten wir Anfang der 2000er nicht alles für atemberaubende Bands? The Strokes, Interpol, Yeah Yeah Yeahs, TV On The Radio, The Libertines, Arctic Monkey, The Killers, Arcade Fire, The Cribs, The National und natürlich eben… Clap Your Hands Say Yeah. Deren Sinn stand für grenzenlosen Spaß und unerbittlichen Überschwang. Das Debüt liegt nun schon wieder über 15 Jahre zurück. Verrückt. Mit Alec Ounsworth, dem einzigen verbleibenden Mitglied, existierten Clap Your Hands Say Yeah in den letzten Jahren nur noch als breite Plattform für den Mann aus Philadelphia, über die ohne große Impulse einer Reihe von uneinheitlichen Veröffentlichungen erschienen. Doch „New Fragility“ strebt erstmals wieder nach einer festen Struktur und macht das im Kern auch gar nicht so schlecht.

Das eröffnende Stück „Hesitating Nation“ ist stark, feierlich und reduziert auf einen Hauch von Gitarrengewitter, dazu ein wenig dunstige Synths und ein starrer Rhythmus. „Thousand Oaks“ baut sich von „Hesitating Nation“ nach außen auf und verbreitert sich in einigen gespenstischen Americana-Texturen, ähnlich der Stimmung, die wir von The Killers kennen. Ounsworth kehrt für den Titeltrack zu demselben nostalgischen Brunnen zurück, aus dem er einst vor vielen Jahren entstiegen ist – und es funktioniert. Es gibt auch andere großartige Momente, vom raumgreifenden frühen Bowie-Piano-Rock in „Mirror Song“ bis zum schönen in Sepia Farben gehaltenen „Where They Perform Miracles“. Ounsworth durchforstet jedoch häufiger die letzten 15 Jahre seines eigenen Lebens, zu denen Ehe, Vaterschaft, Scheidung und Unbehagen in Bezug auf seine öffentliche Person gehörten. 

Die Streichinstrumente auf „Innocent Weight“ rahmen eine melancholische Reflexion über eine gescheiterte Beziehung ein, während die Turbulenzen seines gebrochenen Herzens in einem Sprühnebel lauter Gitarren zum Ausdruck kommen. An anderer Stelle klingt „CYHSY 2005“ fast feierlich, mit Orchestrierungen, die ein großes, offenes Arrangement voller atmosphärischer Synthesizer und Gitarren verankern. Der Titel ist ein Hinweis auf die Ursprünge der Band, aber der Track ist nicht so lebhaft wie es scheint: Ounsworth ist hin und her gerissen von den konkurrierenden Anforderungen, erfolgreiche Tourneen zu spielen und seinem Wunsch, einfach zu Hause zu bleiben. Der Konflikt wird nie wirklich gelöst, weder im Lied noch im Leben des Sängers. Trotz all seiner Zweifel und Bedenken macht Ounsworth das Beste aus „New Fragility“ und hebt sich eine der kraftvollsten Aussagen seiner Karriere für den letzten Titel auf: 

“If I Were More Like Jesus” ist herzzerreißend ernst, wenn sich Ounsworth’s niedergeschlagener Gesang über das Skelett-Blues-Klagelied legt. Ein verdammt erhabener Moment. Doch ingesamt bleibt „New Fragility“ meist nur ein blasser Schein auf vergangene Tage, der unter dieser unhandlichen Masse aufpassen muss, nicht gänzlich zu versinken.

5.9