Archie Bronson Outfit – Wild Crush

Ein phänomenal starker Auftakt: Da jagen einem Archie Bronson Outfit direkt in den ersten Minuten eine bizarre Mischung aus Gesang und gespenstisch psychedelischen Hard-Rock um die Ohren – die neue Klarheit Ihrer Vision ist schlicht beeindruckend. Wie letztlich jedermann weiß, macht es die Londoner Band nur alle vier Jahre. ‚ Coconut ‚ nannte sich das 2010 erschienene letze Album, das wiederum auf ‚ Derdang Derdang ‚ von 2006 folgte. Und nicht minder brillant führen uns die Herrschaften in ‚ In White Relief ‚ durch die treibenden Rhythmen, vorbei an heulender Romantik, Verzerrungen und hallenden Gesängen. Ein Track den man bis in alle Ewigkeit hören könnte. ‚ Wild Crush ‚ wurde in der Heimatstadt Bath mit Duke Garwood am Bariton Saxophon aufgenommen. Bis hierhin eine berauschende Droge.

‚ We Are Floating ‚ lässt es dann erstmals sperriger angehen, erinnert an die Zeiten Ihres Debüts und sorgt mit eingängigen Hooks und schmackhaften Bassläufen für nostalgische Gefühle. ‚ Love To Pin You Down ‚ ist darauf der nächste Umwurf in der Grundausrichtung. Nach rasant und kantig, folgt hier eine gefühlvolle Ballade. Und ab hier ist es dann auch irgendwie vorbei mit dem brillanten Auswürfen des Archie Bronson Outfits. ‚ Lori From The Outer Reaches ‚ ist der zähe Kaugummi danach und einzig was während diesen Minuten tief in das Bewusstsein dringt: der untypisch häufige Gebrauch des Saxophons in diesem Genre. Es fügt dem Ganzen damit immer eine sehr interessante Note hinzu und transpotiert den Klang als abenteuerliches Risiko zwischen pessimistisch lyrischen Inhalten und einer positiv musikalischen Grundstimmung.

Manchmal überfrachten die Londoner zwar Ihre Songs, wie beispielsweise in ‚ Cluster Up And Hover ‚, oder packen einfach mal unverschämt eine alte Nummer in die Tracklist – der durchschnittliche Hörer wird’s schon nicht merken. Gemeint ist ‚ Hunch Your Body, Love Somebody ‚ aus dem Jahr 2007. Die Nummer entstand damals unter dem Namen The Pyramids. Sam Windett und Mark Cleveland verstanden sich hier als lauter, kantiger und roher kleiner Rock’n’Roll Bruder von ABO. Somit bleiben also lediglich acht neue Stücke übrig, für die man als Hörer vier lange Jahre warten durfte. Ein bisschen dürftig wenn man ehrlich ist. Auch weil die zweite Albumhälfte musikalisch nicht mehr viel neues anbieten kann. Einzig die Texte bilden den klugen Kontrast, “I have given up on dreams, I have chosen to live free“, und entschärfen die leichten Fehltritte einer ansonsten tapferen Platte gerade noch so.