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DAF Für immer

1982

Die unterkühlte Agonie einer einstigen Ekstase zeigt sich auf dem neuen Album von DEUTSCH AMERIKANISCHER FREUNDSCHAFT als rhythmische Verweigerung, während Robert Görl und Gabi Delgado-López zwischen dschungelhafter Hitze und bleierner Lethargie eine irritierende Leere kultivieren.

Ein einzelner, metallischer Schlag auf die Snare-Drum markiert den Raum, doch er hallt nicht mehr nach. Wo früher bei Deutsch Amerikanische Freundschaft die Sequenzer-Linien wie unter Hochspannung stehende Drähte peitschten, regiert nun eine seltsame, fast schläfrige Statik. Diese neue rhythmische Unentschlossenheit zieht sich durch das gesamte Werk und lässt die einst so zwingende körperliche Wucht ins Leere laufen. Es ist eine Reduktion, die nicht mehr verdichtet, sondern ausdünnt.

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In dieser klanglichen Ausnüchterung wirkt die visuelle Inszenierung des Duos beinahe wie eine Drohung: Die beiden Körper sind nur noch als tiefschwarze Silhouetten vor einem gleißenden, konturlosen Hintergrund sichtbar. Diese totale Anonymisierung der Pose korrespondiert perfekt mit der musikalischen Verweigerung jeglicher Greifbarkeit. Es gibt kein Gesicht mehr zu dieser Musik, nur noch den Umriss einer Haltung, die sich hinter dem harten Kontrast versteckt, während die Songs selbst zwischen Aggression und Melancholie oszillieren.

Gabi Delgado-López hat den Schweiß der Tanzfläche gegen eine fast flüsternde, fiebrige Intimität eingetauscht. In „Im Dschungel der Liebe“ behauptet er eine Gefahr, die klanglich kaum noch eingelöst wird. Die Worte „Der Dschungel der Liebe ist gefährlich, aber schön“ wirken wie eine ferne Erinnerung an eine Leidenschaft, die im Studio von Conny Plank sichtlich erkaltet ist. Die Produktion lässt den Instrumenten zwar viel Platz, doch dieser Raum füllt sich nicht mit Energie, sondern mit einer drückenden, fast depressiven Schwüle.

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Diese strategische Entscheidung zur Verlangsamung findet ihren Höhepunkt in der Neufassung von „Kebab-Träume“. Der Song, einst ein Manifest des Aufbruchs in der Mauerstadt, erstarrt hier zu einer mechanischen Pflichtübung. Wo die Zeile „Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei“ früher wie ein grimmiger Scherz klang, wirkt sie nun wie eine finale Zustandsbeschreibung. Die Radikalität ist einer Form von Erschöpfung gewichen, die das Album „Für immer“ zu einem Dokument des Stillstands macht.

Selbst die Aufforderung „Verehrt euren Haarschnitt“ besitzt nicht mehr die subversive Kraft der früheren Tage. Wenn es heißt „Messt euren Mut / An der Länge eurer Haare“, dann klingt das nicht nach einer neuen Mode, sondern nach dem verzweifelten Festhalten an äußeren Zeichen, während der innere Kern der Band bereits zerfällt. Es bleibt die Erkenntnis einer strukturellen Ermüdung, die den Abschied von der eigenen Euphorie mit einer konsequenten, aber freudlosen Disziplin zelebriert.

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77
silhouette
1982
Für immer
ME -0466- NG

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

fotografie
2020
I Saw First Light
ME -0462- NG
innenraum
2026
Stranger Life
ME -0463- KR
close-up
2012
Jessica Pratt
ME -0464- AG
illustration
2010
Homeless
ME -0465- SA
zeichnung
2006
Leave to Remain
ME -0467- BE
portrait
1994
Oyster​
ME -0468- KR
konzeptuell
1993
Hat Full of Stars
ME -0469- RB
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2016
The Colour in Anything
ME -0470- NG