KING GIZZARD & THE LIZARD WIZARD wagen auf ALIEN METAL den totalen Raver-Kollaps. Mit schmerzhaft metallischem EDM und enthemmter Modular-Synergik zerlegen die Australier die Trennwände zwischen analogem Rock-Wahnsinn und digitaler Unterwerfung.
Ein einzelnes, leeres Wort bildet das Fundament: „Palantir“, entblößt von jeder menschlichen Regung, monoton in den Raum geworfen. Aus dieser anfänglichen Sprachlosigkeit speist sich die gesamte Dynamik des Albums. Es ist keine Geste des Einstiegs, sondern eine kalte Diagnose. Das metallisch glänzende, mechanische Schädel-Motiv des Artworks fungiert dabei als visuelle Drohung für die darauf folgende Entseelung: Der menschliche Verstand wird hier nicht mehr als schöpferisches Zentrum inszeniert, sondern als bloßer Hohlraum, der von außerirdischer Technologie überschrieben wird.
Auf ihrem 28. Studioalbum treiben King Gizzard & The Lizard Wizard diese Unterwerfung unter das Digitale auf die Spitze. Was in früheren Phasen als psychedelische Spielerei begann, verdichtet sich hier zu einer kompromisslosen Kapitulation vor der Logik der Apparatur. Die Stimme verliert ihre organische Verankerung und wird zum reinen Impulsgeber innerhalb eines maschinellen Netzwerks. In „Level 5“ manifestiert sich dieser Kontrollverlust in der schleichenden Technologisierung der Existenz: „Put your trust in autonomy level five“.
Die Infiltration vollzieht sich nicht schleichend, sondern mit der Brutalität eines techno-faschistischen Zugriffs. In „Kill for the Steel“ wird die Entmenschlichung zur blanken Notwendigkeit erklärt, wenn Kenny-Smiths vocoderverzerrter Gesang verkündet: „We don’t wish death on anyone / But we will kill for the steel“. Der menschliche Körper dient nur noch als Hülle für leitfähige Materialien. In „Rapid Alpha Decay“ heißt es folgerichtig: „Pump my body full with lead / Feel it run through metallic“. Die Reduktion des Fleischlichen auf reine Leitfähigkeit wird zur zentralen Metapher eines Werkes, das die Verschmelzung von Mensch und Maschine nicht als Befreiung, sondern als schleichende Auslöschung inszeniert.
In der Gesamtschau der Bandhistorie markiert das Werk eine präzise phänomenologische Verschiebung. Wo frühere Alben stilistische Genres als ästhetische Spielwiese nutzten und organische Gruppenimprovisation in den Vordergrund rückten, wird hier die bandtypische Dynamik zugunsten einer zentralisierten, synthesizergesteuerten Prozessarchitektur aufgelöst. Die Metamorphose vom gitarrenzentrierten Kollektiv hin zur maschinell getriebenen Raver-Formation vollzieht sich nicht als punktueller Stilwechsel, sondern als konsequente Verschiebung des künstlerischen Fokus auf die radikale Auslöschung des analogen Händedrucks.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Bei einem Kauf erhält MariaStacks eine kleine Provision.
