Zwischen ungebündelter Aggression und kalkulierter Selbstbehauptung liefert RICO NASTY auf ihrem neuen Album RX eine kompromisslose Lektion in Sachen zeitgenössischer Trap-Ästhetik.
Das brüllende, fast heisere Einschlagen in ein Mikrofon war jahrelang die akustische Visitenkarte jener Künstlerin, die das Spannungsverhältnis zwischen verzehrtem Screamo und digitaler Härte definierte. Wer die ständige körperliche Grenzüberschreitung sucht, wird in der Eröffnung von „RX“ eine veränderte Haltung bemerken: Die Attacke erfolgt nicht mehr aus einer chaotischen Notwehr heraus, sondern als kühl getakteter Zugriff. Auf „CDG Foams“ setzt die Rapperin auf eine atemlose Abfolge dichter Punch-Ins, in denen die Silben fast maschinell in den Takt geschlagen werden, ohne dass die Stimmbänder vollkommen verschlissen werden.
Dieses Vorgehen markiert eine Rückbesinnung auf jene minimalistische Arbeitsbeziehung, die Rico Nasty bereits auf „Anger Management“ mit dem Produzenten Kenneth Blume etabliert hatte. Das Artwork von „RX“ verzichtet passend dazu auf grelle Exzesse und zeigt ihr Gesicht als stark kontrastierte, schemenhafte Bleichung. Es fungiert weniger als dekadentes Manifest denn als radikale Reduktion auf die eigene Pose, die keine inszenatorische Ablenkung mehr duldet. Die visuelle Verfremdung unterstreicht die kompromisslose Schärfe der Produktion, bei der Blume das Fundament auf knapp einundzwanzig Minuten verdichtet.
Anstelle ausufernder Genre-Ausflüge in Richtung Pop-Punk oder unfertiger Hyperpop-Experimente konzentriert sich das Material auf eine extrem hohe Frequenz an Beleidigungen und Statussymbolen. Die Abwertung der Umgebung erfolgt fast beiläufig, wenn es in „CDG Foams“ heißt: „And when I fly it’s first not business / I ain’t follow back it hurt her feelings“. Diese Zeile bringt die Haltung der Scheibe auf den Punkt: Aggression speist sich nicht mehr zwingend aus Wut auf das Außen, sondern aus der absolute Gewissheit der eigenen Überlegenheitsansprüche.
In Tracks wie „Frenzy“ wird die Adaption zeitgenössischer Strömungen mit eigener Attitüde verknüpft, während „Kiss N Make Up“ verzerrte Synth-Bässe als Kulisse für eine innere Zerrissenheit nutzt. In „Butthead“, der einzigen Nummer mit zusätzlicher Hilfe von Dylan Brady, brechen schräge Bläser-Samples das bedrohliche Soundkleid auf. Das Album verbleibt durchgehend in diesem harten Kern, wodurch der Fokus scharf bleibt, auch wenn manche Effekte aus früheren Zusammentreffen bekannt wirken.
„RX“ zementiert die Position der Künstlerin innerhalb einer Diskografie, die sich stetig zwischen konfrontativer Reibung und experimenteller Ausfransung bewegte. Das Werk führt die bisherige Entwicklung zu einer kompakten Form zusammen, in der die ungeschminkte Gewalt früherer Jahre durch eine routinierte, extrem präzise Vortragsweise ersetzt wird.
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