Eine meditative Symphonie aus Holz und Saiten: Wie POPPY ACKROYD mit ihrem neuen Album eine schwerelose und zutiefst berührende Klanglandschaft erschafft.
Das rhythmische Fundament einer Komposition erfordert keine Trommeln, wenn die nackte Mechanik eines Flügels zur Perkussion wird. Ein sanftes Klopfen auf das hölzerne Gehäuse, das präzise Streichen über den resonierenden Korpus und das bewusste Kratzen an den Saiten genügen, um eine rhythmische Dichte zu erzeugen.
Poppy Ackroyd verweigert sich auf ihrem zweiten Album den gängigen elektronischen Beats, die das Genre der Neoklassik so oft fluten. Stattdessen nutzt die klassisch ausgebildete Pianistin und Violinistin die Eigengeräusche historischer Tasteninstrumente wie Clavichord, Spinett und Cembalo, um eine treibende, haptische Energie zu entfachen. Diese filigranen Mikrorhythmen formen die Basis, auf der sich weite, melancholische Melodiebögen entfalten.
Das Albumcover fängt diese musikalische Intimität visuell ein. Die filigranen, dunklen Federn, die künstlich arrangiert und starr in einem Holzblock stecken, brechen mit der Erwartung reiner, unberührter Naturromantik. Diese Konstruktion spiegelt das feine, fast chirurgische Sezieren der Klänge wider, das Ackroyd betreibt. Es zeigt kein unbeschwertes Fliegen, sondern das Festhalten und Arrangieren von Vergänglichkeit. Es verdeutlicht ein tiefes ästhetisches Selbstbild, das Intimität nicht durch rohe Emotion, sondern durch kalkulierte, kunstvolle Präzision erzeugt.
Diese ästhetische Balance zeigt sich im Eröffnungsstück „Strata“, dessen vielschichtige Riffs und gezupfte Saiten eine beachtliche Dichte erzeugen, während das darauffolgende „Salt“ durch den Einsatz eines Broadwood-Pianos von 1783 eine historisch-holzige Wärme verströmt. Gastcellistin Su-a Lee fügt dem dichten Gewebe erdige Linien hinzu. Im Stück „Timeless“ imitiert das rhythmische Tippen von Fingernägeln auf gedämpften Violinsaiten unbarmherzig das Ticken einer Uhr, getragen von einer originalen Feldaufnahme einer Wanduhr.
Der Titeltrack „Feathers“ reduziert das Geschehen auf ein einziges, in einem einzigen Take aufgenommenes Soloklavier, das die Fragilität des Lebens greifbar macht. In „Roads“ treffen Brighton-Feldaufnahmen auf das flirrende Zusammenspiel von Cembalo und Clavichord. Das fast ausschließlich aus einem historischen Taskin-Goermans-Cembalo gebaute „Taskin“ wirkt geheimnisvoll, bevor das finale „Birdwoman“ mit Meeresrauschen und Schritten auf dem Kieselstrand die anfangshakige Rhythmik in eine weite, melancholische Freiheit entlässt.
Das zu Beginn eingeführte Detail – das rhythmische Klopfen auf den Instrumentenrahmen – wird hier nicht mehr nur als rein handwerkliche oder perkussive Entscheidung gedeutet. Es verschiebt sich hin zu einer räumlichen und historischen Wahrnehmung: Die Eigengeräusche der jahrhundertealten Tastatur- und Saiteninstrumente werden zu einer Art akustischer Archäologie. Der Raum und die Vergänglichkeit des Materials selbst fangen an zu sprechen, wodurch die anfängliche, rein rhythmische Beobachtung eine neue, tiefere Dimension erhält, ohne dass das Album damit künstlich abgeschlossen wird.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Bei einem Kauf erhält MariaStacks eine kleine Provision.
