Yves Tumor – Heaven To A Tortured Mind

Es gibt zwei Dinge, die wir immer von Yves Tumor erwarten können: Lärm und Chaos. Die angespannte Stimme und die verzerrten Synth-Effekte würden sicherlich einen passenden Soundtrack für einen Film der Brüder Safdie bilden. Aber im Chaos steckt oft Schönheit, und Yves Tumor schafft es immer, sie zu finden. Der Titel von Tumor’s neuestem Album, „Heaven to a Tortured Mind“, scheint dann passend und fühlt sich in solch schwierigen Zeiten besonders ergreifend an. Keine einzige Emotion bleibt verschont, da manische Zusammenbrüche in polierten Pop und Momente der Melancholie übergehen. Durch dieses Chaos und diese emotionale Kriegsführung scheint Tumor jedoch Frieden zu finden. Wie wir es von einem Künstler erwarten würden, der mit den verzerrten Ambient-Collagen von Serpent Music bekannt wurde, ist diese Neuerfindung alles andere als gewöhnlich. 

„Heaven to a Tortured Mind“ ist genauso schwindelerregend erfinderisch, aber es ist auch sein bisher geradlinigstes Album. Zum Glück geht das nicht auf Kosten seiner experimentellen, avantgardistischen Sensibilität. Während des gesamten Albums wechseln die Songs häufig von großen Rocknummern und souligen Funk-Jam-Songs zu paranoiden Ausbrüchen, wenn er Melodien angreift und auf Hooks trifft. Der phänomenale Opener „Gospel For a New Century“ überlastet die Sinne schnell mit rumpelnden Hip-Hop-Basslinien, schockierten Brass-Loops und stotternden Rhythmen. Irgendwie gelingt es Tumor, all diese unterschiedlichen Elemente zu einem täuschend einfachen Indie-Song zusammenzufassen, der an die frühen TV On The Radio erinnert und einen Refrain enthält, der wie ein tiefvioletter Bluterguss als Erinnerung zurückbleibt.

Von „Hasdallen Lights“ aus erreicht das Album ein zufriedenstellendes Plateau; der Rhythmus bleibt intakt, die Pop-Sensibilität leuchtet. Was folgt, sind unbestreitbar hörbare Tracks, die unterschiedliche Elemente von Glamour, Indie-Rock und Soul zusammenfügen – leicht deformiert in das Unheimliche. Das Highlight „Folie Imposée“ behält die melancholische Angst der vorherigen Platte bei, eher ein fragiles Fragment, als ein voll ausgearbeiteter Track. Verlorene Synthesizer sind mit Gitarrenstichen und gebrochenen Drum Breaks durchbohrt, die Texte werden im Gegensatz zu den zuvor angebotenen Gesängen gemurmelt. „Strawberry Privilege“ folgt mit der Verbindung von wunderschönen Basslinien und hauchdünnem Gesang. Die hier gezeigte leichtere Note hilft dabei, das Projekt insgesamt stärker in den Fokus zu rücken und die bombastischen Elemente der vorhergehenden Tracks auszugleichen.

Das Album mit all seinen Eigenheiten wird von einer der wichtigsten Rock-Ikonen unserer Zeit als endgültiges Stück in Erinnerung bleiben – einem Popstar, der so grenzüberschreitend ist, wie die Legenden der 70er und 80er Jahre, die wir jetzt für selbstverständlich halten.