Wooden Shjips – West

Oh du unersättlicher Ripley Johnson. Es reichte dir nicht, uns mit deinem Psychedelic Rock auf ‚ Mazes ‚ die Bude einzutreten? Ein Album das mit Hilfe von Sanae Yamada als Moon Duo entstanden ist? Nein natürlich nicht. Es musste jetzt auch noch ‚ West ‚ her. Schmutziger Space-Rock aus San Francisco unter dem rätselhaften Namen Wooden Shjips. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich eine minimale und dröhnende Art, zwischen Garage-Band beeinflusster Psychedelia und 60er Jahre Krautrock. Fast unverständlich erklingt zwischen den aufschäumenden Wellen und pochenden Rhythmen der Gesang, während eine Fuzz-Tone-Gitarre und eine schreiende Orgel in den Vordergrund springen und den Hörer in einen unaufhaltsamen Wirbel der psychedelischen Reise zerren. ‚ Black Smoke Rise ‚ erlaubt den angemessenen Einstieg in das Werk, mit fusselnden Riffs, einer strudelnden 60er Seele, herumspielenden Bass-Konstrukten und eingängigen Lyrics von Frontmann Erik „Ripley“ Johnson. Doch ist das noch nicht alles: denn es folgen synthetische Ausdehnungen und Johnsons FX-verstümmelter Sololauf in die Weiten der Stratosphäre.

‚ Crossing ‚ ist die verlassene innere Reise in den Weltraum und erklingt wie The Doors ‚ Take Me To The Other Side ‚ minus dem einnehmenden Ego des Jim Morrison. Als Schöpfer Ripley Johnson die Band im Jahr 2003 gründete, bestand kein Interesse an Auftritten oder an dem Gedanken berühmt zu werden. Seine ursprüngliche Absicht war, eine Gruppe von Nicht-Musikern zu finden und mit diesen zu musizieren. Wooden Shjips selbst betiteltes erstes Album wurde zwischen März und Mai 2007 aufgenommen. Es folgte der Release über das kleine Avantgarde Holy Mountain Label und wurde von Johnson und Jermier produziert. ‚ West ‚ dagegen entstand erstmalig in einem richtigen Studio und auch hier bleibt es eigentlich unmöglich, sich dem Sound von ‚ West ‚ nicht zu beugen. In ‚ Flight ‚ wird jeder Riff knüppelhart in den Schädel gehämmert – die Flucht zu ergreifen wäre vollkommen sinnlos.

Textlich handelt das Album, „over riding theme for the album (as indicated by the title) is the American West, and all of the mythology, romanticism, and idealism that it embodies“. Die Bandmitglieder sind an der Ostküste aufgewachsen, so dass die langjährige Geschichte und Literatur zum Album die Abstraktion und Faszination zugleich vereint. Mit ‚ Lazy Bones ‚ und ‚ Looking Out ‚ entsteht ein hohes Energie-Niveau, dessen manch abgelegene Strecke während der Platte locker und befreit erklingen lässt und nicht schlaff und repetitiv. Unerwartet und fantastisch die anschließende Erfahrung – ein Blick in das helle und strahlende Licht der Wooden Shjips. Traumhaft schön…