Valerie June – The Moon and Stars: Prescriptions For Dreamers

Die Eigenheiten ihrer Stimme werden in THE MOON AND STARS voll zur Geltung gebracht, mit dramatischem Raspeln und einer stürzenden Stimme – was manche vielleicht als abstoßend empfinden – aber unbestreitbar den unverwechselbaren Charakter der VALERIE JUNE unterstreicht.

Während Valerie June ihren Stil auf dem neuen Album „The Moon and Stars: Prescriptions For Dreamers“ weiter personalisiert, ist klar, dass sie sich auf ihre Muse konzentriert. Die Essenz von June’s Sound ist perfekt im Albumtitel festgehalten. Sie transportiert den Hörer durch üppige Klanglandschaften, die nicht nur Echos hinterlassen, sie hinterlassen einen anhaltenden Sonnen-artigen Glanz. Die in Brooklyn lebende Singer-Songwriterin hat eine scharfe Stimme, die ihren von Appalachen inspirierten Walzern und bluesigen Mordballaden eine authentische, fast anthropologische Qualität verleiht. Ohne ein Album von Valerie June in vier Jahren gab es natürlich Spekulationen darüber, dass wir eine Änderung in der Herangehensweise bekommen werden – die wir tatsächlich bei „The Moon and Stars: Prescriptions For Dreamers“ erleben. Dieses Projekt ist weit entfernt von den Anfängen des kernigen, bluesigen Materials, welches eng mit ihrer Heimatstadt Memphis verbunden ist.

Das Album wurde von Jack Splash co-produziert, der vor allem für seine Arbeit mit R&B Künstlern wie Alicia Keys und Cee-Lo Green bekannt ist. Wenn also in der ersten Minute des Eröffnungs-Tracks „Stay“ ein paar Retro-Soul-Inszenierungen vorgestellt werden, ist es verlockend anzunehmen, dass dies in den nächsten 45 Minuten so weiter gehe und dies zugleich eine mutige Fahrt für June bedeuten würde. Aber solche Annahmen werden durch die Zeit zunichte gemacht, in der die Streicher, Holzbläser und militärischen Marschtrommeln hereinkommen und June beginnt, hypnotisch und mantraartig „Oh, I, oh, ich, oh, I“ zu singen. Der Rest von „The Moon and Stars: Prescriptions For Dreamers“ ist ein ähnlich ehrgeiziges, schwindelerregendes Durcheinander von Genres und Tönen, und June schafft es, dank der Kraft ihrer betörenden Stimme und ihres Charismas alles zusammenzuhalten. 

Tatsächlich ist ihre Aufführung der einzige Grund, warum ein Song wie „You and I“ mit seinen Schwankungen zwischen zartem Country Gospel und dramatischen Crescendos mit stotternden elektronischen Trommeln überhaupt funktioniert. June schreibt in einer bewegenden, mysteriösen zweiten Person, und das „you“, das sie anspricht, fühlt sich oft so an, als wenn es sich auf eine beliebige Anzahl von Dingen beziehen könnte, oft gleichzeitig: June selbst, eine Geliebte, die zur Begleiterin wurde, ein höheres Gefühl für Gottheit. Während die Singer-Songwriterin die Landschaft ihrer eigenen Spiritualität erforscht, eine der wichtigsten Durchgänge des Albums, verweigert sie die eigene Definition: “Some call it prayer,” singt sie auf dem abschließenden Wiegenlied „Home Inside“ zu einem abgespeckten Sound, bei dem chorähnliche Schichteffekte für den Gesang effektiv verwendet werden. “I’d be a fool to let it have a name.” Dies signalisiert, dass es Zeit geworden ist, diese wunderschönen Träume beiseite zu legen und schlafen zu gehen.

8.4