Vagabon – Vagabon

Hier muss nicht lange herum geredet werden. Laetitia Tamko, besser bekannt unter dem Namen Vagabon, hat ein weiteres Indie-Pop-Meisterwerk veröffentlicht. Ihr zweites Album „Vagabon“ ist von Anfang bis Ende fesselnd. Der unerwartete Erfolg ihres Debüts von „Infinite Worlds“ aus dem Jahr 2017 hatte zur Folge, dass sie nun mehr Ressourcen zur Verfügung standen, aber auch eine verstärkte Kontrolle durch die Öffentlichkeit erfuhr. Sie hätte ihre Anstrengungen tiefer in den Sound stecken können, der sie berühmt machte, aber „Vagabon“ ist stattdessen ein erfrischender Aufbruch, der auf der Suche nach weiteren Welten digitale Klänge und Streicher mit ihrer vertrauten, zarten Gitarre kombiniert.

Die 24-jährige schrieb, arrangierte und produzierte dieses Album und hat das meiste davon selbst gespielt, und man merkt sofort, dass ihre Stimme subtil im Vordergrund steht. Das herbei fliegende Flüstern der unendlichen Welten ist runder und selbstbewusster geworden. Diese neue Kühnheit wird durch ihre Inszenierung erreicht, die zwischen der Intimität eines kleinen Raumes und einer großen Kathedrale wechselt. Als Produzentin bevorzugt sie lagunenhafte Geräumigkeit, Liebe zum Detail und unvorhersehbare Strukturen. In „Flood“ hören wir eine perkussiv singende Tamko und sehen eine konsequente Dunkelheit, die sich endlos von selbst zu drehen scheint und den Zuhörer in Tamko’s Spiegelsaal einfängt.

„Our bodies lie unresponsive“, krächzt es jedoch zuvor im eröffnenden Track „Full Moon In Gemini“, während dieser in seiner kurzen Intensität in einem flüsterndem Gesang und lauten Streichern verschwindet. „Water Me Down“ durchdringt mit anhaltender Wärme. Durch ihre Verschmelzung von opulentem Schlagzeug und balsamischen Synthie-ähnlichen Streichern gelingt es Tamko, düsteren Schlafzimmer-Pop mit einer Ballade zu verschmelzen, die jeden Versuch, ihrer Musik eine einzigartige Definition zu geben, überwindet. Die Klanglandschaft verschiebt sich schnell in eine düstere, von Fingern gepflückte Akustik, die das gesamte emotionale Spektrum abruft. 

Es ist ein ungewöhnliches Album, das Heimweh, Entfremdung, das menschliche Verlangen nach Gemeinschaft widerspiegelt und durch Tamko’s tiefe und anpassungsfähige Stimme die persönliche Selbstfindung vorantreibt.