TORRES – Silver Tongue

Mackenzie Scott’s viertes Album als TORRES blickt auf unglückliche Erinnerungen an die unfairen Erwartungen ihres letzten Labels 4AD zurück, die immer noch an Frauen gestellt werden, die eigenwillige und verzerrte Popmusik machen. Nachdem Scott von ihrem Drei-Alben-Deal mit dem renommierten 4AD wegen „nicht kommerziellen Erfolgs“ abgesetzt worden war, twitterte sie bissig: “I wish them all the best. Also, fuck the music industry. Xo, Mackenzie”. Es ist deprimierend ironisch. Das letzte Album „Three Futures“, dass von 4AD herausgebracht wurde, war ihre bislang kompromissloseste (und beste) Aufzeichnung. Es ist eine schwierige und spezifische Arbeit, die, obwohl sie einige von Scott’s unmittelbarsten Melodien enthält, keinen einfachen Einstieg bot. Der finale Track war ein langgestrecktes Ambient-Stück über körperliche Autonomie. Jetzt kommt „Silver Tongue“ über Merge und wurde von Scott selbst produziert.

„Silver Tongue“ zeigt uns die Orte, an denen sich die innere Welt mit der äußeren verwickelt, an denen unerwartete Dinge aufblühen, an denen natürliche Wege beschritten werden müssen und zu denen wir unsere eigenen finden müssen. „Silver Tongue“ ist eine aufregende Reise durch eine sich entwickelnde Beziehung mit einem konstanten Gefühl, dorthin zu fahren. Dies wird am besten durch den eindringlichen Refrain von „Last Forest“ veranschaulicht: “Something jogs the memory/ That I’ve loved you repeatedly.” Diese plötzliche Klarheit und ihre erfinderischen Wiederholungen zeichnen „Silver Tongue“ so aus, dass sich das gesamte Album wie eine fortwährende, zarte Offenbarung anfühlt. Die Wahrheit ist: Scott hat sich einfach zu einer authentischen und mutigen Songwriterin entwickelt.

Auf Tracks wie „Good Scare“ und „Records of Your Tenderness“ verschmilzt Scott auf hervorragende Weise lebhafte Beats mit hypnotischer Gitarre und emotionalem Gesang, um etwas Außerirdisches zu schaffen. Die früheren Alben von TORRES haben sich viel mit Beziehungen befasst, aber hier untersucht sie das Thema – und ihre eigenen Ängste – mit chirurgischer Präzision. „Silver Tongue“ steckt voller eifriger Details und seltsamer kleiner Einblicke in die dunkle Seite von Verlangen und Unsicherheit. „Good Scare“ benutzt eine Flut von pochenden Trommeln der 80er Jahre, um Scott’s Wünschen filmisches Drama zu verleihen und fängt damit die desorientierten Vertrauensschwankungen ein, die mit der möglichen Gegenbewegung eines Liebesinteresses einhergehen: “When you said you couldn’t swing it / You gave me a good scare for a minute there.”

„Silver Tongue“ ist ein auf allen Ebenen vielschichtiges Album und eine gekonnte Weiterentwicklung einer der multidimensionalsten Figuren des Indie Rocks. Manchmal in diesem Album scheinen die geflochtenen Gitarren und gleitenden Rhythmen die Absicht zu haben, uns zum Stolpern zu bringen, uns irgendwo in der Mitte herumzudrehen, aber die Absicht ist nie, uns zu verlieren. So ist „Silver Tongue“ letztlich ihr emotionalstes und befriedigendstes Album geworden.