Titus Andronicus – The Airing Of Grievances

Titus Andronicus ist seit vier Jahren um eine Bezeichnung reicher. Fast vierhundert Jahre brachte man diesen Begriff mit einer Tragödie von William Shakespeare in Verbindung. Es galt als das „schwarze Schaf“ unter den Shakespeare Stücken und T.S. Eliot bezeichnete den Titus als eines der dümmsten jemals geschriebenen Stücke. Das Stück und besonders die Handlung erzählt von blutrünstigen Grausamkeiten, flachen Charakteren und einer Pseudosprache. Für die fünf Amerikaner aus New Jersey also genau die richtigen Vorlagen, um Titus Andronicus als Bandname auszuwählen und diesen Begriff mit einer weiteren Bedeutung zu versehen. „Shakespeare is about as smart as it gets, but that play is not very polite, even though that’s not one of his better works, that play really sits at a very interesting nexus.“

Ihre Sounds klingen schlicht und dennoch interessant, verstricken sich oft in Labyrinthen und finden immer wieder den Weg an die Freiheit. Einzig die Bandmitglieder aus vergangenen Tagen mussten als Opfergaben zurück gelassen werden. Aber manche Dingen lassen sich nunmal nicht anders lösen: „Happily, we’ve got the guys we’ve got now. We were able to narrow it down to find the guys that had absolutely the least going on in their lives. We’re five losers.“ Verlierer? Vielleicht. Geht man nach den Gesprächen mit der Presse dann auf jeden Fall. Es ist ein echtes Erlebnis diese Band ohne Handy zu erreichen. Aber solange das Debütalbum ‚ The Airing Of Grievances ‚ auf einfachen Wegen Ihr Ziel in unsere Plattenläden findet, soll uns das nicht weiter stören.

Besonders an Ihrem Werk fallen sogleich die Themenschwerpunkte Tod, Schmerz, Scham und Hoffnungslosigkeit auf, die aber zu keinem Zeitpunkt depressiv klingen. Titus Andronicus erklären diesen Effekt mal wieder auf Ihre ganz eigene Art und Weise:“Herman Melville once said something to the effect of that writing „Moby Dick“ was his way of purging himself of the evil that was within him, and that sounds just about right to me. Is it not better that we expunge the darker elements of our humanity by singing, rather than by, say, burning down a church or something?“

Und da mögen sie auch recht haben, die Band aus New Jersey hat viel erlebt und geben Uns in Ihren neun Songs eine ganze Menge davon zurück. Die lange Spielzeit von über 45 Minuten spricht für sich und schafft in gewisserweiße eine Erinnerung an das Ganze Potenzial des Punk-Rocks. Es entfremdet zudem die beiden Szenen Punk und Indie, geht zurück in die 80er Jahre mit den Minutemen und ist trotzdem so reich an Emotionen wie jede gut geschriebene Ballade. Oder um es mit den Worten von Ian MacKaye sagen:“If punk’s for muscle-heads, it’s just because they have very strong brains.“

Zu guter Letzt setzen Titus Andronicus mit ‚ Albert Camus ‚ Ihrer Platte, eine bandeigene Nationalhymne auf die Brust. Sie verbinden von The Clash über Buzzcocks bis hin zu den Gaslight Anthem ein großes Spektrum an Abwechslung, die mit Ihrer Punk-Mentalität wunderbar in Einklang gebracht wurde und sich brillant in die modernen Zeiten von heute einfügt. An der zweiten Platte wird bereits gearbeitet, „The songs for our next record are almost all done, maybe 85%“, so dass man sich auf das nächste Meisterwerk von Titus Andronicus schon mal in Vorfreude üben kann.