Tigers Jaw – I Won’t Care How You Remember Me

Manchmal fühlt es sich so an, als könnten TIGERS JAW etwas mehr loslassen, aber solche Beobachtungen sind ein kleiner Streitpunkt, wenn man sich einer Platte gegenübersieht, die voller Herz, Seele und – trotz seines Titels – vieler unvergesslicher Songs ist.

Scranton Punks von Tigers Jaw sind ein gutes Beispiel für Langlebigkeit. Der Schlüssel dazu liegt in der Konsistenz und mit sechs Alben in einer Karriere voller beeindruckender Veröffentlichungen ist auch Ihr neuestes Werk „I Won’t Care How You Remember Me“ eine weitere starke Ergänzung ihres Repertoires und ein Album, auf dem das Quartett mühelos kratzigen Punk mit einem entspannteren, ohrenschonenden Indie Rock Vibe verbindet. Wer Tigers Jaw seit Ihrem Debüt kennt, wird es wohl selbst deutlich spüren: aus dieser Band wird man wohl nie herauswachsen. Es spielt keine Rolle, was sie herausbringen, es wird immer den Teenager in uns und die Person ansprechen, die älter wird und wahrscheinlich von diesen nostalgischen Geschichten wegschauen sollte. Andererseits sollten wir?

Eines muss aber auch gesagt werden: Es ist kitschig, verschwommen und eigentlich würden die neuen Songs bestens in irgendeine belanglose Teenie-Netflix-Serie passen. Doch es gibt jedoch immer noch die Pop-Punk-Sensibilität von früher und diese eingängigen kleinen Hacken, die uns daran erinnern, worum es bei Labels wie Run For Cover, Tiny Engines und Topshelf (um nur einige zu nennen) geht. Ist das Album ein bisschen mehr Mainstream und unter Hopeless Records aufpoliert? Sicher, aber genau wie bei so vielen anderen Bands, gibt es auch bei Tigers Jaw für uns noch viel zu sehen und zu schätzen. „I Won’t Care How You Remember Me“ versprüht diese ernsthafte Essenz der alten Zeit und macht diese für eine halbe Stunde lebendig.

Instrumental ist es voll von rhythmischen Stakkaten und dem ausgeprägten Klang von Collins’ Gitarre, wodurch das Album viel mehr wie „Two Worlds“ von 2010 klingt, als man es von einer Platte erwarten würde, die mehr als 10 Jahre später von einer größtenteils anderen Gruppe von Menschen aufgenommen wurde. (2013 sind drei Mitglieder der Band auf einmal gegangen.) „Cat’s Cradle“ ist die Antwort dieses Albums auf Spin’s „June“. Beide sind ungewöhnlich sonnige und fröhliche Songs und indem die Reise von „Charmer“ direkt durch „Spin“ fortgesetzt wurde, beseitigen die neuen Songs der Band fast den Schlag, der sie einst etablierte.

Tigers Jaw bevorzugen im Jahr 2021 subtile gitarrengeleitete Melodien und steigern zugleich die Gesangsleistungen von Ben und Brianna. Das Ergebnis ist ein weitaus sanfteres Hören, wobei jeder Titel weitgehend eine spezifische Plattform für einen der beiden talentierten Sänger bietet. „I Won’t Care How You Remember Me“ ist ein weiteres Juwel einer Band, die uns in den letzten Jahren selten im Stich gelassen hat.

7.5