Thundercat – Apocalypse

‚ Tenfold ‚ als eröffnendes Stück startet mit der Art von Astral-jazz Tastaturen, wie man sie beispielsweise auch immer gerne in den Lonnie Liston Smith Zwischenspielen erleben durfte. Aber der eigentliche Impuls wird durch die eindringlichen und stampfenden Akkord-Verwischungen freigesetzt.  Kein Ton scheint dabei fehl am Platz, die Umgebungstemperatur erhebt sich zu der glänzenden Instrumentierung und wir malen uns das Bild eines einsamen Reisenden: “You can let go / you can trust me / I will never leave you.” Der zweite Track ‚ Heartbreaks + Setbacks ‚ filtriert vertraute Formen über Indie und R & B hin zu elektroinfizierten Folk und blubbernden Old-school Boogie Funk. ‚ The Life Aquatic ‚ ist ein gespenstisches Instrumental, ‚ Special Stage ‚ ist herzlich intensiv und das perfekte Nebeneinander von einfachen Texten und komplizierter Musik. ‚ Tron Song ‚ ist wie der Blick in den Weltraum und zu anderen geheimnisvollen Landschaften, während beruhigende Melodien mit den luftigen Gesängen von Thundercat verschmelzen. ‚ Seven ‚ ist eigentlich das sechste Stück auf dem neuen Album ‚ Apocalypse ‚ und ebenfalls von reiner instrumentaler Natur geprägt.

Und damit wäre die erste Hälfte auch schon wieder rum. Aber Bassist, Sänger und Songwriter Stephen Bruner ist künstlerisch schlicht nicht zu bändigen und so wundert es eigentlich auch gar nicht weiter, dass pünktlich zum zweiten Akt wir plötzlich den unnachgiebigen Drang verspühren, die brodelnde Ekstase an die Oberfläche zu lassen. Auslöser ist die fröhliche Party-Hymne ‚ Oh Sheit It’s X ‚. In einer Fusion aus Pop, Soul, Electronica, Prog Rock und Funk in einer noch unerforschten Dimension, rückt das Album damit langsam zu seinem Kern vor: was braucht es um Frieden zu greifen, wenn er unerreichbar scheint. “I feel like the album’s a story, more than anything. The music’s almost like a photobook for me. It takes me back to certain things I’ll never forget. I love working with Lotus because he was able to give it a different perspective and mold, to where people can actually see it for what it is.” Leider schwächelt Thundercat in ‚ Without You ‚ erheblich und auch ‚ Lotus And The Jondy ‚ plätschert verwirrt durch unkoordinierte Strophen hindurch. Nicht schön anzuhören.

“It’s superficial, the way that you listen/ Open your ears and your mind/ Just take the time to look a bit deeper/ You’d be surprised what you find inside“, heißt es dann in ‚ Evangelion ‚ und bietet ausgezeichnete Ratschläge – sowohl im Leben, wie auch im Umgang mit dem neuestes Album. Vielleicht ein bisschen spät an dieser Stelle. ‚ A Message for Austin / Praise the Lord / Enter the Void ‚ ist am Ende die trotzdem verdiente Bestandsaufnahme und zugleich mit den Zeilen, „your legacy will live on”, das Versprechen an seinen mittlerweile verstorbenen guten Freund und einstigen Labelkollegen Austin Peralta bei Brainfeeder. Was im ersten Augenblick wie eine Überdosis an Sentimentalität aussieht, ist in Wahrheit eine betörende Welt, die letztlich aber dem eintretenden psychedelischen Strudel nicht mehr entrinnen kann. Am Ende dieser Platte gilt es den Moment der Klarheit festzuhalten, wenn man endlich wieder festen Boden unter den Füßen spürt.