The War on Drugs – I Don’t Live Here Anymore

THE WAR ON DRUGS gehen vorsichtig ins Neue und verwischen Ihre Songs mit etwas mehr Sicherheit und Spezifität. Ein schwacher astrologischer Faden gleitet über das neue Album I DON’T LIVE HERE ANYMORE.

Auf ihrem fünften Album mit dem Titel „I Don’t Live Here Anymore“ verwöhnen uns unsere Lieblings-Synth-Rocker von The War on Drugs mit einer zufriedenstellenden Portion dessen, was wir von ihnen brauchen. „Harmonia’s Dream“ ist dabei die erste von vielen glühenden Hymnen, die das Selbstvertrauen einer Band auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ausdrücken. Das Album ist voller Tracks, die bereit sind, uns zu erobern. Man nehme beispielsweise „Wasted“, eine triumphale Springsteen-Channeling-Hymne, die sich wie ein amerikanisches Abenteuer auf offener Straße anfühlt. Alte Erinnerungen spülen sich wie bittersüße Wellen auf den Titeltrack, als er sich leise erinnert: “We went to see Bob Dylan / We danced to ‘Desolation Row’ / But I don’t live here anymore / And I’ve got no place to go.” Und „Rings Around My Father’s Eyes“ ist eine seelenberührende Hymne, die die Emotionen der Vaterschaft und die Tiefe der menschlichen Verbindung behandelt.

Fast jeder Track erwähnt Veränderung, Bewegung und die Unvermeidlichkeit der Zeit – es ist ein Album über Wachstum, aber es ertrinkt nie in existenzieller Angst. Dies sind Lieder über das Älterwerden und alles, was dazu gehört, aber es klingt eher nach einer Feier als nach einer Lobrede. Vielleicht klingt Granduciel deshalb mehr als alles andere, was er aufgenommen hat, als Frontmann so selbstbewusst. In der Vergangenheit versteckte er sich oft unter endlosen Hallschichten oder unverständlich abstrakten Texten, aber bei diesen Songs steht seine Stimme im Mittelpunkt. Die Veränderung ist nicht offensichtlicher als auf dem letzten Track der Platte, „Occasional Rain“, einem der markantesten Songs seiner Karriere. Anstatt sich im Sturm zu verlieren, erkennt Granduciel, dass er wie alles andere vorübergehen wird. “Ain’t the sky just shades of grey / Until you’ve seen it from the other side?”. 

Auf „I Don’t Live Here Anymore“ hat er uns eingeladen, ihm dorthin zu folgen. Es ist transparente Musik, ein direkteres Verhältnis von Instrument zu Klang, bei dem jede Gitarre, Snare und Synthesizer, die durch den Mix kommen, vorbildlich klingt. Dies ist der einfache Trick der War on Drugs: Es ist leicht, die fiktive Mythologie von Granduciel’s Songwriting zu ignorieren und einfach der Alchemie zu lauschen, die diese Band perfektioniert hat, ein komplexes Konstrukt, dass etwas freudig Einfaches hervorbringt.

7.9