The Soft Pack – Strapped

Ich mag Eröffnungsstücke, die ohne Umschweife direkt loslegen und dabei mit ungeheuerlicher Dynamik durch die Strophen heizen. ‚ Saratoga ‚ aus dem neuen Album ‚ Strapped ‚ von The Soft Pack ist so ein Fall. Aber die Herrschaften sind sowieso sehr eigenwillige Charaktere, die sich vor einigen Jahren noch The Muslims nannte, aber danach den Namen genervt aufgaben. Die Gründe kann man sich selbst denken. Nun also seit zwei Platten The Soft Pack und auch mit dieser Namensgebung suchte das Quartett aus dem Sunshine State die Provokation. Spielt dieser doch auf die Bezeichnung eines schlaffen Dildos an. Und leider übertrug sich die Schlaffheit auch ein wenig auf die letzten Songs des selbst betitelten Debütalbums als The Soft Pack. Klassischer Rock’n’Roll ohne Schnörkeleien. Und minimalistisch war ebenfalls die Aufmachung der Platte – auf ein Booklet wurde nämlich ganz verzichtet.

Aber das ist alles schon mehr als zwei Jahre her und Matt Lamkin, Matty McLoughlin, David Lantzman, Brian Hillf haben sich gefangen und mit ‚ Strapped ‚ ein wundervolles Album gezaubert, welches abwechslungsreich und mit viel guter Laune durch zwölf Songs spaziert und dabei sogar noch einen sehr starken Auftakt hinschmettert, der sich über ganze drei Stücke lang halten sollte. Denn mit erhöhtem Niveau folgen nach ‚ Saratoga ‚ noch ‚ Second Look ‚ und ‚ The Say ‚ als verschmolzene Einheit in Form spiralförmiger Sinne des Schicksals.  “The first rule of rock & roll is if it sounds good, it is good.” The Soft Pack schwächeln allerdings bei ‚ Tallboy ‚ und erleben kurz darauf ein erneutes Hoch mit dem folgenden Stück ‚ Bobby Brown ‚. So schnell kann es hier gehen. ‚ Bobby Brown ‚ gehört zu den herausragenden Nummern, der Beat ist ruhiger und langsamer, die Gesänge gleichmäßig – und das Saxophon-Solo gegen Mitte eine echte Überraschung.

‚ Chinatown ‚ und ‚ Rays Mistake ‚ suchen im Anschluss den Weg zurück in die eingängigen Melodien und genießen die Belohnung bisher geleisteter Arbeit. Doch danach ist unerklärlicher Weise die Luft raus. Erst mit dem zehnten Stück ‚ Head On Ice ‚ erleben wir noch ein letztes Mal The Soft Pack in Höchstform. Die Melodien wirbeln in schwindelerregender Geschwindigkeit herum, während mit relativ hohen Standards im Hintergrund die besten Optionen für einen wahrlich guten Pop-Song sondiert wurden. Hier passt einfach alles zusammen und auch wenn es mit ‚ Captain Ace ‚ nur zu einem müden Schlusssong gereicht hat – die neue Platte ist Ihr Geld trotzdem wert. Es gibt definitiv einige sehr gute (wenn nicht unbedingt ausgezeichnete Tracks) auf ‚ Strapped ‚ zu entdecken.