The Sea – Rooftops

Ob Glastonbury, SXSW, CMJ, Reeperbahn Festival, Incubate oder den Musikfestwochen in Winterthur: The Sea können von sich behaupten, dabei gewesen zu sein. Das alles passierte innerhalb der letzten zwei Jahre und nach der Veröffentlichung Ihres Debüts ‚ Get It Back ‚ im April 2009. The Sea stammen aus London und sind ein Geschwisterpärchen, getarnt als Blues Rock Duo. Noch ein Duo denkst du dir, klingt langweillig und hatten wir doch schon alles? Von wegen. Peter und Alex Chrisholm katapultierten mit dem Opener ‚ Don’t You Want Me ‚ vom Debüt alle Kritiker kompromisslos gegen die knallharte Betonwand. Die anfänglichen Sätze bestanden nunmal nicht aus tropfendem Sarkasmus. Zwei Jahre später folgt ‚ Rooftops ‚ und The Sea sind ruhiger geworden. Mag es von der anstrengenden Tour sein, oder dem Gefühl sich verändern zu müssen.

In jedem Fall klingt es erstmal nicht schlecht. Der Opener ‚ New York ‚ trägt die Sehnsucht über das große weite Meer, sanfte Chöre eröffnen den stimmlichen Part im Hintergrund, während ein stampfendes Schlagzeug und die einsetzende Trompete das Ruder behutsam an sich reißen. Es ist ein netter Einstieg in den zweiten Langspieler, wobei mir ‚ Where’s The Love ‚ dann doch ein wenig zu schmalzig in den Ohren herumrutscht. Äußerst poppig und fast schon euphorisch wird es im dritten Stück ‚ Silly Love Song ‚ mit einem hüpfenden Klavier und einem drängenden Chrisholm, der hier durchaus geschickt mit seinem Charme spielt. Doch wo bleiben die Herrschaften mit der krachenden Gitarre und dem einprügelnden Schlagzeug? Es scheint als wurden die Waffen niedergelegt.

‚ Rooftops Of London ‚ klingt ein wenig nach der weißen Fahne im Wind, doch ‚ Panic On The Streets Of Dalstrom ‚ lässt jegliche Überlegungen im Keim ersticken. Was für eine coole hingerotzte Punk-Rock Nummer! Knochentrocken und ein echter Selbstläufer. Es bedarf keiner weiteren Beschreibung. Und was wäre der logische Schritt nach dieser Nummer gewesen? Etwas gleichwertiges hätten wohl auch The Sea nicht anhängen können und so wird die Konsequenz daraus mit einem akustischen Stück gezogen. ‚ Shake Shake ‚ versucht dann zwar nochmals den Anschluss, doch wirkt es am Ende ein wenig zu nervös und zerfahren. Eine pompöse Ballade wartet auf den Hörer mit dem Schlusstrack ‚ Emily’s Waltz ‚ und es bleibt festzustellen, die Gemeinsamkeiten mit den White Stripes und ähnlichen Bands wurden mit ‚ Rooftops ‚ endgültig abgelegt.

The Sea wandeln nun auf eigenen Pfaden, müssen sich allerdings erst noch finden und präsentieren hier mehr eine Mischung als alten Stärken und neuen Erkentnissen. Treibend und direkt bleiben The Sea aber auch weiterhin und so werden wir das Ergebnis Ihrer Reise dann sicherlich bei der dritten Platte in der vollen Pracht genießen dürfen.

7.0