The Joy Formidable – Wolf’s Law

Streicher-Arrangements und ein aufbrausender Spannungsbogen türmen sich in den ersten Sekunden zu einem ohrenbetäubenden Soundgewand auf, bevor dieses völlig unerwartet von den Gitarren der Joy Formidable durchstoßen wird. Ein gelungener Durchbruch für das Trio, dass mit dem eröffnenden Stück ‚ This Ladder Is Ours ‚ einmal mehr durch mitreißende Selbstsicherheit den Nerv Ihrer Anhänger treffen. Im zweiten Stück ‚ Cholla ‚ stürzen sich Ritzy Bryan, Rhydian Dafydd und Matt Thomas mit angriffslustigen Riffs in dynamische Rhythmen und erzeugen damit eine donnernde Gewitterwolke. Der einzige aufhellende Lichtblick in diesen Momenten: die Stimme von Ritzy Bryan. Diese verhält sich ähnlich charmant wie bei den Sounds, wenn Maja Ivarsson mit Lolli im Mundwinkel über den treibenden Beats schwebt und uns dabei Ihre sinnliche Austrahlung zwischen die Schenkel reibt. Und das hat, ebenfalls wie bei der Band aus Schweden, den unnachgiebigen Vorteil, dass oftmals die schwächeren Songs geschickt kaschiert werden.

Ein Beispiel dafür wäre in der ersten Albumhälfte ‚ Little Blimp ‚. Dagegen lässt ‚ Bats ‚ keinerlei Diskussionen an der eigenen Kaltblütigkeit aufkommen. Die Rhythmen treffen direkt das eigene Tanzbein, während das Trio mit schleichenden Harmonien und todsicheren Hooks die Gehörgänge befüllt. Kurz darauf berauscht ‚ Silent Treatment ‚ mit einer unheimlich druckvollen und eigenständigen Arbeit am Schlagzeug – man würde es wohl auch in einschlägigen Kreisen als Frustabbau bezeichnen.  Eine scheinbar gelungene Therapie. Denn kurz darauf wird es im ‚ Maw Maw Song ‚ besinnlich ruhig. ‚ Forest Serenade ‚ liefert dann wieder ein explosives Gemisch aus sinnlichen Pop-Sensibilitäten, aufbrausenden Instrumentierungen und treibenden Synthies. The Joy Formidable zaubern hier eine weitläufige und emotionale Klanglandschaft, die letztlich in einem grandiosen Finale Ihre verdiente Erfüllung findet. Doch der Weg bis dorthin war ein aufwendiger. Die ersten Aufnahmen fanden in der nordwalisischen Heimat der Band statt, während der Großteil des Album in einer Hütte in Portland, Maine, entand.

‚ Forest Serenade ‚ könnte man auch den Blood Red Shoes anhängen, wenngleich The Joy Formidable dann doch einen wesentlich höheren Anspruch an die eigenen Harmonien stellen. Denn Langeweile gibt es auch im neuen Werk keine. Zu den donnernden Songs wird der elektronisch angehauchte Rock aus dem Handgepäck gezogen, wenn es einmal flotter gehen soll, dann steht man selbst bereits auf der Tanzfläche bereit und wenn epische Instrumentierungen mit Streicher-Arrangements und dem anziehenden Gesang von Ritzy flirten, drückt man instinktiv selbst gerade dem Freund/der Freundin einen innigen Kuss auf die Lippen. ‚ Wolf’s Law ‚ spielt zwar mit wiederkehrenden Themen vergangener Tage, doch das tut der Spielfreude keinen Abbruch.

7.2