The Flare-Up! – Whip ‚Em Good

Die Schweden sind die besseren Brit-Popper, meinte erst letztens eine größere deutsche Tageszeitung mit Bezug auf die schwedischen Kollegen von Mando Diao. Doch hinter dieser Aussage steckt tatsächlich etwas Wahres. In den 60er Jahren kopierte man noch die englischen Bands und vereinfachte die Texte und Melodien. Bestes Beispiel dazu dürften wohl Abba sein. Doch die Zeiten haben sich maßgeblich verändert, auch Schweden können mittlerweile komplizierte Texte auf Englisch schreiben, die Melodien werden anspruchsvoller und dann ist da ja noch die spezielle schwedische Natur-Romantik. Sie darf nicht fehlen und findet auch bei The Flare-Up Ihre wohlverdienten Momente, wenngleich die herrschende Macht aus dreckigen und dekadenten Rockbeats besteht. Sie dröhnen unerbitterlich durch die Boxen, vermischen morbide Geschichten mit versteckter Selbstverabscheuung und souligen 60er-Garage mit 70er-Glam ohne Ausschmückungen. Es ist das konzentrierte Böse, mit gelegentlichen Abstechern in melodische und catchy Ohrwurm-Refrains.

Sie haben Ihr Debüt ‚ Whip’em Hard, Whip’em Good ‚ getauft und dazu den Release gebührend im März 2009 gefeiert. Darüber freuen durften sich alle Skandinavier und fand großen Anklang bei den schwedischen Kollegen, darunter war auch Nikke Andersson von der ehemaligen Band Hellacopters, der aus purer Begeisterung die Band bei seinem Label Sound Pollution unterbrachte. Die Musik von The Flare-Up lässt sich nur schwer kategorisieren, da in den zehn Songs viele große Momente der Rockgeschichte ebenso einfließen, wie die gängigen Rock-Klischees und trotzdem: Die fünf Schweden sind wenig verschieden von all dem, was sich „The“-Band nennt und nennen darf. Aber irgendwie verlaufen sich die Anfangs festgefahren Wege in der Wildniss und ehe man sich versieht, rutscht man bereits mit letzter Kraft auf den Knien durch wirbelnde Riffmonster hindurch. Einzig auf die schnellen und kompromisslosen Temposchübe ist Verlas. Gewaltig bohren sich die schreienden Gitarren bei ‚ Kid Avenger ‚ in unsere Gehörgänge, um anschließend die mitreißende Bestie in uns freizulassen. Bereits der Opener ‚ Put It In A Letter ‚ lässt den Schweiß der fünf Schweden in die ersten Reihen spritzen, gefolgt von einer Kampfansage im zweiten Stück ‚ Vicious Seeds ‚.

Der gleichnamige Titeltrack ‚ Whip’em Hard, Whip’em Good ‚ verspricht dagegen die erste kleine Verschnaufspause. Doch ehe man sich versieht, rollen die Gitarren wieder in flotten Melodien mit sich steigernden Akkorden, die besonders nach dem Track ‚ Little China Boy ‚ ein dickes Ausrufezeichen in den Boden hämmern. Stramm preschen The Flare-Up mit viel Dampf durch die Strophen und hinterlassen eine staubzerfressene Luft, die noch einmal mit dem Schlusstrack gehörig durcheinander gewirbelt wird. Eines sollte man bei diesem Debüt keinesfalls tun: Es zu unterschätzen. Dahinter steckt jede Menge Potenzial, das zwar an manchen Stellen nicht voll genutzt wurde aber, um es von der positiven Seite zu sehen, Spielraum für das zweite Werk offen lässt. Und so heißt es fürs Erste von The Flare-Up: „Gotta get out of this muppet theater“