The Flaming Lips – King’s Mouth

Selbst heute, fast 40 Jahre nach Gründung der Band, ist es immer noch schwer zu sagen, was genau eine Flaming Lips-Platte ausmacht. Die Pastellfarben in den Klängen? Die durchgeknallte Überraschung in den Texten? Oder vielleicht die unverwechselbare Stimme von Frontmann Wayne Coyne – so weltmüde, so naiv. In jedem Fall reichen ein paar Minuten aus, um mit Sicherheit (oder auch nicht?) sagen zu können, dass dieses fünfzehnte Studioalbum mit Namen „King’s Mouth“ alles andere als ein reines Flaming Lips Album ist (was auch immer das bedeuten mag).

Konzeptionell und musikalisch ist „King’s Mouth“ dem gesüßten experimentellen Pop des Album „Yoshimi Battles the Pink Robots“ aus dem Jahr 2002 am nächsten. Wie damals so ist auch „King’s Mouth“ eine Art Konzeptalbum, das durch die verschiedenen Missgeschicke eines fantastischen Protagonisten zusammengehalten wird. Hier dreht sich die Erzählung um ein riesiges Königsbaby, das sich selbst opfert, um seine Untertanen vor einer drohenden Lawine zu bewahren – eine Geste, die eine solche Dankbarkeit hervorruft, dass die Bürger beschließen, ihren Kopf für immer in Stahl zu tauchen und auszustellen.

 

Aber trotz der vermeintlich erzählerischen Übersättigung ist das Album ein leichtes, dass in seinen besten Momenten die Phantasie der zentralen Handlung mit einem erforschten Sinn für Realität verbindet. Himmlisch in den thematischen Ambitionen, aber klein und körperreich im Detail, ist es ein sorgfältiger Balanceakt. Es wäre zwar zu viel gesagt, dass „King’s Mouth“ das beste Lips-Album der Spätzeit ist („Embryonic“ regiert einfach noch zu dominant), aber nach dem schwerfälligen Genuss des frustrierenden „Oczy Mlody“ aus dem Jahr 2017 ist dies immer noch ein Grund zum Feiern. „The Sparrow“ (nicht zu verwechseln mit „The Sparrow Looks Up the Machine“ aus dem Jahr 2009) und „Giant Baby“ geben hier den Ton an, zwei leicht psychedelische Höhepunkte voller seltsamer Bilder.

Die neuen Songs sind eine totale Freude, da diese mit bestimmten Stärken ausgestattet wurden, die The Flaming Lips in den letzten Veröffentlichungen eher verschleiert haben. Zudem ist es angenehm prägnant – eine willkommene Abwechslung zu „Oczy Mlody“, setzt keine übermäßige Gästeliste, keine 24-Stunden-Songs, mit Menstruationsblut gepresste LPs oder andere Spielereien ein, die uns beeindrucken sollen. Hier steht dieses Mal einzig und allein die Musik im Fokus des Geschehens.