The Dø – Both Ways Open Jaws

Nun wieder zur schönsten Aufgabe des Tages: Das Album der Woche! Und dieses Mal gibt es tatsächlich etwas sehr exquisites auf die Ohren. Nämlich neue Musik des Französisch-Finnischen Duos mit Namen The Dø (gebildet aus den ersten Buchstaben der Mitglieder Dan Levy und Olivia B. Merilahtin). Als „Multi-Genre“ dürfte man Ihren Sound bezeichnen, eine Pop-Gruppe, beeinflusst durch die Beatles, Björk und Jazz-Legenden wie Coltrane und Ella Fitzgerald. Ihr Debüt ‚ A Mouthful ‚ war etwas schräg, eigenartig und bisweilen extrem schrullig, herrlich neben der Spur laufende Kinderstücke spielten mit ausbrechenden Gitarren, dazwischen tummelten sich rauschende Streicher, Keyboards machten sich selbstständig.

Es war viel geboten im Jahr 2010 (in Frankreich zwar schon im Januar 2008) und mit Ihrem zweiten Werk ‚ Both Ways Open Jaws ‚ fällt mir gerade auf – auch jetzt scheint niemand wirklich viel über das Duo zu wissen. Es schwebt nach wie vor das geheimnisvolle um den Filmkomponist Dan Levy und die finnische Sängerin Olivia Merilahti. Mit The Dø leben wir in der Gegenwart. Im hier und jetzt. Ihre regionalen Sounds kombinieren die Beiden zu modernsten Arrangements, verzaubern mit Pop-Magie und spielen im Eröffnungsstück ‚ Dust It Off ‚ auf allen Ebenen gleichzeitig. Eine Melodie so kalt wie das nordeuropäischen Klima. Das zweite Stück ‚ Gonna Be Sick! ‚ wird ausnahmslos durch die Anziehungskraft der ausdrucksstarken Stimme eingenommen, ‚ The Wicked & The Blind ‚ rumort sich durch holprigen Untergrund, während sonnige Arrangements mit einem sanften Lächeln von oben herabblicken.

Eingängige Pop-Balladen erwarten den Hörer in den Songs ‚ Too Insistent ‚ und ‚ Was It A Dream? ‚ und dürften wohl ohne Frage jede Lily Allen auf dieser Welt in Eifersucht zerbrechen lassen. Ihr erstes Album ‚ A Mouthful ‚ war ein ziemlicher Erfolg in ihren Heimatländern  Frankreich und Finnland, doch hat es die Platte nie wirklich geschafft, die Englisch sprechende Welt zu erobern. Schade. Mit ‚ Both Ways Open Jaws ‚ wird es allerdings ähnlich sein, wenngleich so manche Stücke, wie ‚ Slippery Slope ‚ und ‚ BWOJ ‚, auch von einer gewissen MIA sein könnten. The Dø fallen aber auch aus der französischen Mainstream-Szene heraus und vielleicht mag darin ein kleiner und kaum ersichtlicher Fehler liegen: Das Duo denkt in zu großen Maßstäben, zu weit und zu kreativ, wirken teilweise wie ein verstreuter Haufen.

Doch darf man solche Ansätze tatsächlich als negativen Kritikpunkt aufführen? Es bleibt fraglich, denn das Ergebnis ist der Leistung entsprechend einfach nur atemberaubend. Schließlich und im Herzen des Ganzen verfestigt sich Olivia Merilhati’s Stimme: ihre Reichweite berührt subtile Variationen in Ton, bringt uns an fremde Orte, ganz egal ob es am Ende das monotone Tanzlokal um die Ecke ist, oder die Aussicht auf einen traurigen Lerchengesang. Als Bonus (vermutlich wegen der lagen Wartezeit) gibt es für uns noch vier Remixe zu ‚ Dust It Off ‚, ‚ Gonna Be Sick! ‚, ‚ Too Insistent ‚ und ‚ Slippery Slope ‚. Der letztgenannte stammt von Vitalic (französischer elektronischer Musik DJ) und zelebriert am Ende des Albums in gewohnter Manier einen Tanzflächen-fegenden Track. ‚ Both Ways Open Jaws ‚ ist schlussendlich ein Ausdruck der fantastischen musikalischen Kunst von The Dø in Perfektion.