The Blue Van – Dear Independence

Müsste man nun eine Platte nennen, die ähnlich lange und zu Fuß nach Deutschland gehen müsste wie das zweite Werk von The Blue Van, es würde einem spontan absolut nichts vergleichbares einfallen. 2006 begann die steinige Reise von ‚ Dear Independence ‚ mit Start in Brønderslev, Dänemark. Nach drei Jahren und ein paar Monaten des verharrenden Schweigens folgt nun endlich die rettende Erlösung für alle Fans der Blue Vans. Immerhin zeigten Sie ein Jahr zuvor mit Ihrem Debüt ‚ The Art Of Rolling ‚ wohin die Reise gehen wird. Garage Rock und Punk sind die wesentlichen Merkmale dieser Band mit Zugluft der glorreichen Sixties. Wie es sich für Bands dieser Sorte so gehört, sind auch Sie als Quartett unterwegs und verwöhnen den Hörer mit einfachen wie eingängigen Rock Stücken aus der Zeit von The Who, The Kinks, The Beatles und dem Rest dieser großartigen Bands.

Selbstverständlich kopieren die Jungs nicht nur Ihre unbestrittenen Vorbilder, sondern mischen auch eigenständige Elemente darunter, zitieren und interpretieren in Reinkultur. Auch wenn dieses Konzept oftmals nicht so recht zünden mag, da die Melodien zwar meistens mit Substanz beginnen und scheinbar abgenutzte Akkordprogressionen ziemlich frisch daher kommen, aber nicht selten wirken die Sounds und die Idiomatik dahinter oftmals authentisch in Ihrer Spielweise. Die Spielfreude kann dagegen den vier Dänen niemand absprechen. Insgesamt kann man wohl zweierlei festgehalten werden: Wie die nachromantische E-Musik nahm auch die Rockmusik vor lauter Kreativität eine überstürzte Entwicklung, und darüber blieben gute Songs schlicht ungeschrieben und zweitens vertieft sich die Gruppe so intensiv in dieser Musik, das sich daraus am Ende eine eigene Handschrift entwickelt.

Für den großen Durchbruch sind dann aber doch der eigenen Kreativität Grenzen gesetzt. Denn ob man nun die erste Platte oder die aktuelle bewerten will, vom Sound gibt es hier kaum Unterschiede zu verzeichnen und lässt diesen Vergleich überflüssig und langweilig erscheinen. Ebenso lassen Sie die Haltung der White Stripes vermissen, die Sexualität von Louis XIV und die schiere Energie der Hives. Dafür gibt es eine umfangreiche Sammlung relativ grobkörniger Mid-Tempo-Rock-Songs mit so manchen schönen Stücken wie ‚ The Poet Tree ‚ oder der akustischen Verspieltheit von ‚ Momentarily Sane ‚. Dementsprechend brauchen Menschen, die bisher mit den Blue Vans nicht in Berührung kamen, sich auf der zweiten Platte von ‚ Dear Independence ‚ keine Hoffnungen auf Kreavität oder einer ausgelassenen Unabhängigkeit der Songs machen.