The Anna Thompsons – The Anna Thompsons

The Anna Thompsons sind vier Frauen aus der ganzen Welt, die vor einigen Jahren dem Ruf des Rock’n’Roll nach Berlin gefolgt sind und nach anfänglichen Coversongs von Kate Bush, Wire und Joy Division schnell merkten, dass Sie eigentlich zu Höherem berufen wurden. Also fingen sie an eigene Songs zu schreiben und auf Anhieb klappte es ganz wunderbar. Ambika Thompson (Gitarre/Synthie/Gesang), Karen Thompson (Bass/Gesang), Ana Catalá (Gitarre/Synthie/Gesang) und Kristen Munchheimer (Schlagzeug/Gesang) zogen daraufhin durch die Kreuzberger Kellerclubs und bei einem Konzert wurde King Khan von King Khan & The Shrines auf die Band aufmerksam, der sie anschließend zu Aufnahmen ins eigene Studio einlud. Mit ihm als Produzenten gingen The Anna Thompsons dann zwei Monate später ins Paul-Linke Studio und dort entstand letztlich auch ihr Debütalbum. Es heißt wie sie selbst und rumpelt meist in fröhlicher Lo-Fi-Rock Manier durch die blühenden Landschaften.

Da hätten wir zu Beginn noch das etwas gemächliche ‚ Phone Richie ‚, in dessen Musikvideo auch King Khan eine Nebenrolle bekam – um den Kreis an dieser Stelle zu schließen – und zeigt großartig makabere Minuten. Im zweiten Stück ‚ Amazing Grace ‚ wälzen sich dann die Gitarren zu monoton-hypnotischen Riffs zwischen eingängigen Pop und rotzigen Garagen-Rock, verpassen dem Song am Ende noch einen kräftigen Tritt in die Kniekehlen, es kracht und die The Anna Thompsons sind in Ihrem Element angekommen. Tempowechsel haben die vier Mädels ebenso drauf, wie Takte genüßlich in die Länge zu ziehen, sich dabei an den Qualen des Gegenübers zu erfreuen und diese ungezügelten Freuden am Ende mit einem lauten „Fuck You“ zu begießen. Aber auch ein wenig Exzentrik steht den Anna Thompsons in ‚ Hey Pony ‚ gut zu Gesicht. Die Authentizität der Abweichung gegenüber den Vivian Girls, Dum Dum Girls, La Luz und so weiter ist beachtlich und auch erstaunlich – war doch bisher der Weg in diese stilistische Richtung für All-Girl-Bands eher die gängige Regel.

Wenn die vier Mädels mal ernst machen, wie im Track ‚ Spain Attacks ‚, dann benutzen sie auch dementsprechend vermehrt druckvolle Riffs, die irgendwann meist ganz von selbst eine ungemein faszinierende Eigendynamik entwickeln. Doch der eigentliche Höhepunkt wartet auf den geneigten Hörer in ‚ Unicorn ‚. Es beginnt als akustisches Stück, wiegt sich sanft den Wolken, die Gedanken sorgenfrei, das Leben noch lange, bis dann auf einmal… Man sollte es selbst herausfinden. Wer dagegen lieber tief in die verrückten und verdrehten Welten der Mädels einsteigen möchte, für den empfiehlt sich ‚ Splashy ‚ und wer eher in die Gegenrichtung tendiert, dürfte beim abschließenden ‚ Castillos ‚ gut aufgehoben sein.