Ten Kens – Ten Kens

Der Ekelfaktor liegt bei den Ten Kens jetzt schon ganz weit oben. Aber nicht weil die vier Herren aus Toronto, Kanada etwa eine Vorliebe für schmudeliges und ungepflegtes Aussehen haben. Nein es ist das Video zur Single ‚ Bearfight ‚ aus dem Erstlingswerk ‚ Ten Kens ‚, in Animationsform präsentieren Sie uns einen Bär, einen Hirsch und ein hübsches Mädchen, die in dem außergewöhnlich blutigen Videoclip in bunten und sehr brutalen Bildern Ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen haben. Für viele dürften die vier Minuten mehr als gewöhnungsbedürftig sein und den ein oder anderen abschrecken. Schade eigentlich, der Song fährt bereits in den Anfangssekunden eine unglaubliche Eigendynamik auf, legt dazu eine gesunde Härte an den Tag und verbindet das Ganze mit melodischen Seeligkeiten die es so noch nicht zu hören gab. Die Platte bewegt sich im tiefhängenden Schleier zwischen Alternativ, Indie Punk und psychodelischen Elementen, wie es auch die Kollegen von Black Mountain nicht besser machen könnten. Verträumt und besinnlich geht es auf ‚ Downcome Home ‚ weiter und setzt einen weiteren krassen Übergang zu den brachial und aggressiv einhämmerten Gitarrenriffs aus ‚ Bearfight ‚. Es klingt alles so phantastisch, zu perfekt wenn eine Band aus dem Nichts auftaucht und sofort mit sämtlichen Bands von Rang und Namen auf Tour gehen darf. In Wahrheit gibt es die Ten Kens schon seit knapp fünf Jahren, aufgebaut auf gleichen musikalischen Interessen fanden sich Gitarrist Dean Tzenos und Sänger Dan Workman im Jahr 2003 zusammen um gemeinsam an den ersten Songs zu arbeiten. Richtig los ging es als die Ten Kens in Ihr eigenes Haus einzogen und sich über ein Jahr für die Aufnahmen wegsperrten. Es gab in dieser Zeit sehr wenig Sonnenlicht für die vier Kanadier und eventuell ein Grund für die düstere Grundstimmung innerhalb der Songs. FatCat war jedenfalls begeistert von dem daraus entstanden Resultat und nahm die die Band kurzerhand unter Vertrag. Doch nicht alles findet sich zwischen Bitterkeit und allgemeiner Schwere wieder wenngleich es schon verblüffend klingt, wenn die Toronter auf einmal beschwingt und fröhlich die ersten Takte zu ‚ Prodigal Sum ‚ anstimmen. Die Melancholie bleibt aber auch in diesen Songs ein treuer Weggefährte und lässt sich allerhöchstens mal ein Stückchen zurück fallen. Die große Stärke der Ten Kens liegt allerdings in anderen Bereichen. So schaffen Sie es immer wieder den Hörer mit geschickt angesetzten Melodien auf eine falsche Fährte zu locken und dabei selber einen komplett anderen Weg einschlagen. Auf ‚ Worthless & Oversimplified Ideas ‚ veranstalten Sie es mit einer spürbaren Freude und Hinterhältigkeit, die schon wieder sympathisch ist. Oftmals sind die Toronter auch mit dem besten Willen einfach nicht zu verstehen, mit bewundernswerten Genuschel erzählen Sie uns dann eine Geschichte in dem zerstörungswütigen ‚ Spanish Fly ‚, das aber dann im Refrain kräftig mit „Na-Na-Na-Nas“ unterstützt werden darf. Ebenso hallt es bei den Ten Kens die meiste Zeit erheblich, während sich die Gitarren mit dem noch so kleinsten Quietschen wie ein Glasbruch bei Donnerschlag anhören und dabei bedrohlicher und dunkler wirken als alle Ihre Kollegen aus Kanada, die Sie einst selbst für Ihren Sound bewundert haben. Als kleines Schmankerl gibt es in der Download Version noch den Song ‚ Bearfight ‚ als Liveversion oben drauf. Ansonsten kann sich das Debüt mit seinen elf Songs mit Leichtigkeit in den oberen Regionen halten und beschert Kanada eine großartige Band mehr, die Sie Ihr Eigen nennen darf.

9.5