Squarepusher – Be Up A Hello

Während Tom Jenkins mit seinen frühen Arbeiten in den 90er Jahren Drum’n’Bass an seine Grenzen stießen, experimentierte Jenkins mit Elektro, dementem Funk, Live-Jazz und Musik, die mit Hilfe künstlicher Intelligenz komponiert wurde. Squarepusher’s 15. Studioalbum „Be Up A Hello“ ist sowohl eine scharfe Kehrseite der jüngsten Aktivitäten als auch eine Rückkehr zu einigen der Grundlagen seines verrückten Genies. Nachdem Jenkins Anfang 2018 bei einem Besuch in Norwegen auf Eis ausgerutscht war, saß er mit eingegipsten Arm fest. Da das Basteln mit Drum Machines und Synthesizern mit einem steifen Arm um einiges einfacher ist, als beispielsweise Bass zu spielen, suchte er nach einem kreativen Ventil. Was als Trost in grauen Zeiten begann, entwickelte sich schließlich zu einem voll ausgearbeiteten Album.

Das Ergebnis ist, wie man sich vielleicht vorstellen kann, eine Aufzeichnung, die viele seiner älteren Arbeiten in Erinnerung rufen wird. Es klingt allerdings sehr viel schlüpfriger, und während „Be Up A Hello“ dieser Ära zuzwinkern mag, ist es insgesamt ein anderer Dämon. Es klingt immer noch nach überladenen Maschinen, die versuchen sich gegenseitig zu fressen, aber sie sind poliert, klingen frisch und haben verdammt gute Laune. „Be Up A Hello“ beginnt mit dem archetypischen Squarepusher. „Oberlove“, der erste Track, hätte von jedem der Alben Mitte der 90er Jahre aufgenommen werden können. Wo sich „Oberlove“ und auch andere Tracks von früheren Veröffentlichungen unterscheiden, ist das Fehlen von Jazzkonzepten, die auf die Breakbeats von Jenkins zurückzuführen sind. Das heißt nicht, dass es auf der Platte keine Einblicke in den Jazz gibt, aber sie liegen dieses Mal gut im Maschinendschungel verborgen.

Andererseits ist „Nervelevers“, die zweite Single der Platte, ziemlich geradlinig. Es ist klar, dass viel Aufwand in die Herstellung der Texturen und unterschiedlichen Sounds gesteckt wurde und ehe der unerbittliche Acid-Bass von „Nervelevers“ und dem nächsten Track „Speedcrank“ zu ihrem Höhepunkt kommen, haben wir ganz nebenbei mehr Ambient-Boden betreten, als jemals auf einer Veröffentlichung von Jenkins zuvor. Letzt genannter würde in einem epischen Science-Fiction-Soundtrack nicht fehlen. Die Verwendung der gleichen Ausrüstung für subtilere, wärmere und Roboter-freundlichere Klänge funktioniert hier perfekt und trennt Squarepusher mit Sicherheit von allen seinen und Aphex Twin-Nachahmern. Die Tatsache, dass er etwas erschaffen kann, auf das Vangelis oder Oneohtrix Point Never stolz sein würden, ist ein Beweis dafür, wie vertraut er mit seiner Hardware ist. Gleiches gilt für den letzten Titel „80 Ondula“. Jenkins erzeugt Spannung, wie es ansonsten nur die besten Soundtrack-Komponisten können.

Nach mehreren Aufzeichnungen voller berauschender Kompositionen und hochkarätiger Musik ist „Be Up A Hello“ erfrischend direkt und vergoldet seine vergangene Ära mit bekannten Ideen, die ihn hier zu neuen und fremden Orten aufbrechen.