Snow Ghosts – A Wrecking

Wenn es einer Band im Jahr 2015 pressiert, dann sind es die Snow Ghosts. Es sind kaum 18 Monate nach Ihrem Debütalbum ‚ A Small Murmuration ‚ vergangen, da halte ich bereits das zweite Album ‚ A Wrecking ‚ in den Händen und lausche der tosenden Gischt im eröffnenden Part 1 und befinde mich kurz darauf in einer dunklen und modrigen Höhle. Es tropft von der kalt anmutenden Decke – plötzlich ertönen schwere Gitarren, tiefhängende Geigen-Arrangements und ein experimentelles ‚ Held The Light ‚. Sängerin Hannah Cartwright (Augustus Ghost) benutzt Ihre Stimme zurückhaltend. Erst gegen Mitte des zweiten Songs hören wir sie endlich und spüren sofort die seltsam beruhigende Wirkung. Hat sich Ihr Debüt noch auf Rhythmus und Textur konzentriert, so könnte ‚ A Wrecking ‚ als Konzeptalbum gesehen werden. Es finden sich überall in den Songs wiederkehrende Motive, Themen und Stile. ‚ Cicles Out Of Salt ‚ ist dann die dahinrauschende Bedrohlichkeit, die mit erschreckendem Nachdruck und eindrucksvollen Gesängen klanglich einen der lautesten Momente des Albums erschafft. ‚ The Fleet ‚ geht einem an die Gurgel und ist klar als Ausreißer zu betrachten. Weiterer Nervenkitzel erwartet uns in ‚ Bowline ‚. Ein Track der sich bei seiner Entstehung nicht entscheiden konnte, ob er eine von Harfen-geführten Ballade oder ein Synth-Pop-Song werden wollte. So wird dieser nun von beiden Teilen gleichermaßen angetrieben und ist als Ergebnis sowohl verwirrend wie auch brillant. ‚ A Wrecking ‚ hat viel zu bieten, benötigt dementsprechend Zeit und Aufmerksamkeit. Dafür erhält man hier ein echtes Album mit Sinn im Kontext und keine lose Ansammlung einzelner Songs.

6.3