Slowthai – Tyron

Mit Hilfe der Gäste Dominic Fike, Denzel Curry und Kwes Darko, um nur einige zu nennen, hat SLOWTHAI ein Album aufgenommen, das Tyron Frampton, die Person hinter dem Künstler, vollkommen befreit zeigt.

Northampton’s führender Rapper kehrt mit einer faszinierenden Fortsetzung zu „Nothing Great About Britain“ aus dem Jahr 2019 zurück. Die erste Hälfte bietet uns den Slowthai, den wir erwarten. Schnelle, schlagkräftige Tracks in seinem unnachahmlichen Flow werden von hochkarätigen Features von Skepta und A$AP Rocky untermauert. Die Texte ziehen sich aus den sozialbewussten Themen des Debüts „Nothing Great About Britain“ zurück und konzentrieren sich mehr auf Slowthai’s persönliche Erfahrungen und den Kampf um den Umgang mit sich selbst. Die zweite Hälfte ist melodischer und erreicht ihren Höhepunkt mit dem wunderbaren „Push“, dass sich an den Pixies anlehnt.

Auf dem von der Akustikgitarre geleiteten Song teilt er ein lebendiges Bild aus einer einfacheren Zeit: “Meet me at the back of the bus / Beep-beep with my hat and my gloves.” Das rhythmische Album-Highlight „Focus“ mit seinem krachenden Beat, dem klagenden Klavier und den zerhackten Hintergrundgesängen schmerzt mit dem Eingeständnis: “No-one I can lean on so I’m limping with a walking stick”. Auf dem gleichen Weg erinnert er sich aber auch daran, worauf es wirklich ankommt: “I miss my brothers; I miss my fam as well / Everybody else can go and fuck themselves.” Songs wie „I Tried“ tauchen tief in Slowthai’s Psyche ein und berühren die Bestrebungen und Ängste der Kindheit, die ihn auf den Weg gebracht haben, auf dem er sich gerade befindet.

Slowthai lernt, Ablenkungen und Nachteile aus seinem Leben zu entfernen. Zum einen hat er aufgehört zu trinken. Er konzentriert sich aber auch darauf, im Moment zu leben und keine Erfahrung für selbstverständlich zu halten. Aber er weiß, dass es manchmal keinen Frieden ohne Aufruhr gibt. Es macht also Sinn, dass das Ergebnis ein zutiefst bewegendes, melancholisches – aber niemals selbstmitleidiges – Album über Scham, Trotz, Kindheit, Erwachsenenalter, Fehler und letztendlich Selbstvergebung ist.

9.2