Sleater-Kinney – The Center Won’t Hold

Das neunte Studioalbum vom Rock Trio Sleater-Kinney wurde von St. Vincent produziert und entstand nach dem Abgang von Schlagzeugerin Janet Weiss, die im Juli diesen Jahres die Band verließ. Grund war die neue musikalische Ausrichtung der Band und natürlich hat die Tatsache, dass „The Center Won’t Hold“ vom Art-Pop-Gitarrist St. Vincent produziert wurde, für skeptische Blicke in der Indie-Punk-Fangemeinde gesorgt. Nachdem Janet Weiss den neuen Sound hinter sich gelassen hatte, schien es fraglich, ob die Fangemeinde den neuen Stil des Albums akzeptieren würde. 

„The Center Won’t Hold“ ist unabhängig davon die lang erwartete Fortsetzung des 2015er Reunion-Albums „No Cities to Love“, dem ersten Album der Band seit zehn Jahren. Mit „No Cities to Love“ brachten sie mit dem klassischen Sleater-Kinney-Stil wahrscheinlich ihre beste Platte heraus. „Center Won’t Hold“ ist weit entfernt von „No Cities to Love“ und aus dem Repertoire der Band im Allgemeinen. Es ist kein Indie-Punk-Album wie die übrigen Alben der Band, sondern eher ein Pop-Album mit experimentellen Elementen und einer gesunden Portion Post-Punk. Der Einfluss von St. Vincent ist auf diesem Album deutlich zu sehen und doch ist es kein St. Vincent geprägtes Album, sondern vielmehr wurde dieser Einfluss von Sleater-Kinney nach eigenen Vorstellungen interpretiert. 

Das Album ist düster und launisch, glatt und schwül und im Grunde alles, was Sleater-Kinney noch nie waren. Es ist kein Album, das sich der Mainstream-Maschinerie unterwirft, sondern eines, das seine Werkzeuge gezielt einsetzt, um zwischen hell und dunkel hin und her zu wechseln. In dem zitternden Pop-Rocker „Reach Out“ singt Tucker offen über Depressionen und Isolation, stoppt die Herzen im affektierenden und klangvollen Refrain „Reach out/ darkness is winning again“. Brownstein ist an der Reihe, ihre Witzlosigkeit in „Can I Go On“ zuzugeben, ein pulsierendes Lied, das ihre komische Seite in einer fröhlichen Unberechenbarkeit widerspiegelt.

„Center Won’t Hold“ ist eine Revolution für Sleater-Kinney, ein erstaunlicher Akt künstlerischen Mutes und zweifelsohne eines der Alben des Jahres 2019, das man nicht verpasst haben sollte.