Shout Out Louds – Optica

So sieht er also aus: der Weg zurück in die Normalität. Das Quintett aus Stockholm ist endlich wieder in der Heimat angekommen und das darf auch gerne wörtlich genommen werden. Denn für die Aufnahmen zum neuen Werk ‚ Optica ‚ haben sich die Shout Out Louds nicht nur wesentlich von Ihren eigenen vier Wänden entfernt, sondern auch anlässlich zum zehnjährigen Bandjubiläum eine Platte produziert, die wie zur Gründung, melodieseliges für Ohren und Beine bereit hält. Es muss halt nicht immer ein Star-Produzent aus den Vereinigten Staaten sein. In den vergangenen Wochen hat die schwedische Gruppe bereits den ersten Song aus dem Album zur Verfügung gestellt: die (zugegeben) etwas lahme Single ‚ Blue Ice ‚, die jedoch als erweiterter Anreiz weltweit auf zehn Stück limitiert war – diese gab es aus Eis zum Selberbasteln. Aber lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf das Eröffnungsstück ‚ Sugar ‚ und dessen erleuchtende Textzeilen: „Now I know what I’ve been searching for”. So singt Olenius (klingt manchmal noch immer nach Robert Smith) zwischen der leicht psychedelischen Ausrichtung und gemeinsam mit den restlichen Mitgliedern hinterlässt die Band nach den vier Minuten eine logische Fortsetzung, die mit angenehmen Pop-Momenten, die neuen Inspiriationen in bekannte Formeln setzt. Wesentlich besser gefällt mir da schon ‚ Illusions ‚ und das vierte Stück ‚ 14th Of July ‚ im zarten zarten Midtempo. Es fühlt sich eigentlich über die ausgedehnte Spielzeit von über eine Stunde stets so an, als würde man in einen wunderschön und (fast) endlosen Sonnenuntergang spazieren. Es gibt auf der neuen Platte keine Hektik, keinen Stress und keine einfältigen Arrangements, wie man es beispielsweise auf dem letzten Album ertragen durfte. Was dagegen wirklich bravorös in die Songs eingearbeitet wurde, sind die dunklen Synthie-Pop Untertöne. Diese erscheinen mal länger, mal kürzer, jedoch gut verteilt von Anfang bis Ende und gestalten sich dabei so einfach wie effektiv. Ein bisschen euphorischer lassen es die Shout Out Louds dann gegen Ende im Stück ‚ Chasing The Sinking Sun ‚ angehen und verlieren trotzdem nie Ihre innige Liebe zur Melancholie. Die kleine Auszeit nach Ihrer erfolgreichsten Tournee weltweit hat Adam Olenius (Gesang, Gitarre), Bebban Stenborg (Keyboards), Carl von Arbin (Gitarre), Ted Malmros (Bass) und Eric Edman (Schlagzeug) definitiv nicht geschadet. Auf der Bühne fügen sich die neuen und teils anders ausgerichteten Tracks ohne Zweifel perfekt in das bestehende Repertoire ein – auf dem Album selbst zieht allerdings hin und wieder die Langatmigkeit Ihre ausgedehnten Kreise. Es bleibt aber verschmerzbar. Denn mit der Aussage, “A change is always good”, haben die Shout Out Louds die Zeichen der Zeit im abschließenden Song ‚ Destroy ‚ absolut erkannt und mit ‚ Optica ‚ alte Gewohnheiten fein säuberlich dekonstruiert und einen wohl überlegten Wiederaufbau gestartet, der bestens als Grundlage für die kommenden Jahre dienen dürfte.

7.0