Shopping – Consumer Complaints

Shopping spielen einen wackligen und Bassline-getriebenen Post-Punk, dessen Anfangszeit in den frühen Achtzigern liegt: Wer Delta 5, The Au Pairs, Kleenex, ESG oder Young Marble Giants mag, hört vielleicht ein Echo in diesen 13 Songs. Ob man nun für sich persönlich gesehen einen Wert in einer Gruppe sieht, die in dieser Ära weniger als zwei Jahre beheimatet ist, ist wieder eine andere Sache, aber es gibt eine Fülle großartiger Songs – voller Hooks, aktiv tanzbarer Rhythmen und Texte, die Wiederholungen geschickt einsetzen ohne faul oder unartikuliert zu wirken. Das Londoner Trio überzeugt mit ihrem engen, hellen und tanzbaren Post-Punk, der auch Vorfahren wie A Certain Ratio, Mo-Dettes und Lucrate Milk viel zu verdanken hat, obwohl es sich nie besonders veraltet anhört – ein Beweis für das hochwertige Songwriting der Gruppe.

Ihr Debüt „Consumer Complaints“ war eines der besten Punk-Alben des Jahres 2013, als es im November dieses Jahres vom DIY-Label Mïlk Records veröffentlicht wurde. Alle drei Mitglieder spielten zuvor zusammen in der unterschätzten Gruppe Covergirl und alle drei singen hier, obwohl die Gitarristin Rachel Aggs (ebenfalls von Trash Kit, Golden Grrrls und vielen anderen Bands) die meisten Songs von Shopping anführt. Überlappende und kreisende Vokalmuster werden hervorragend gespielt, sodass der Gesang weniger wie etwas wirkt, das über der Musik steht, als vielmehr als Teil eines integrierten Ganzen. Aggs’ markanter Gitarrenstil basiert auf kaputten und manipulierten Garage-Riffs im 60er-Jahre-Stil – in Stil und Ton, in dieser und anderen Bands, erinnert ihre Gitarrenarbeit oft an eine weniger geradlinige Holly Golightly. 

Dies ist eines der Elemente, die verhindern, dass die Songs von „Consumer Complaints“ ineinander übergehen, auch wenn sie sich im Tempo selten unterscheiden. Alle Songs haben auch ihre eigenen Strukturen: Es gibt keine Vers-Chorus-Verse oder vorhersehbare Überbrückungen: Stattdessen sind die Songs so strukturiert, dass sie atmen, bei Bedarf in Rauschen verwischen („Santa Monica Place“) oder melodische Themen zu Disco-Zwecken ausdehnen („Get Going“). Infolgedessen scheint keine Spur zu kurz oder zu lang zu sein. Man bekommt das Gefühl, dass die Songs nur so strukturiert wurden, dass sie dort anfangen, wo sie gebraucht werden und dann durch wiederholtes ein- und ausatmen organisch in ihre aufgenommenen Formen hineinwachsen.

Shopping haben aber auch eine Pop-Seite: „In Other Words“ und „Long Way Home“ sind so eingängig und direkt, dass sie Hymnen für Menschen sind, die keine Hymnen mögen. Voller Humor, Wut und Witz ist dies ein aufregendes Debüt einer Band, mit einer befehlenden Stimme als unangefochtene Anführerin.