Rosie Lowe – YU

Die britische Rosie Lowe hat ihre Zusammenarbeit mit Dave Okumu von Invisible auf ihrem zweiten Album „YU“ verstärkt und verwendet in den neuen Songs subtile Rhythmen und durchdringende  Reflexionen, die einen bemerkenswerten Tiefgang erreichen und sich dabei sanft an elektronische Elemente anlehnen. Während sich das erste Album „Control“ monochrom anfühlte und mit ein paar bewusst gesetzten Farblitzen garniert wurde, ist „YU“ ein selbstbewusstes Technicolor-Porträt des gelebten Lebens und der offenherzigen Leidenschaften. Zu hören gibt es Funk mit Blues-Rock-Riffs, Soul, kosmische Verzwierbelungen und natürlich den mitreißenden Gesang von Lowe, deren Texte auf „YU“ spitzer und markiger klingen.

„The Way“ blickt freudig auf eine von Liebe erfüllte Zukunft, während „Pharoah“ auf einer prahlerischen Basslinie und einer hypnotischen Orgel aus Pharoah Sanders „Memories of Edith Johnson“ von 1977 basiert und Lowe ägyptische Götter und Göttinnen beschwört: “My hair is Nu/My face is Ra/My eyes are Hathor/But worlds apart.” Im köchelnden „Mango “spielt sie Eva, die Adam verführt: “I adore the selection you bring/It’s your platter that makes my tastebuds ring/…And I’ve been looking for some fruit for my tree.” 

Die erste Single des Albums, „Birdsong“, pulsiert mit der Kraft einer unglaublichen Sammlung an Backgroundsängern: Jamie Woon, Jamie Lidell, Kwabs und Jordan Rakei. Lowe’s verwinkelte Melodie in den Versen ist voller Vorfreude, wenn sie singt: „It’s the very thought of you that gets me through the night / And the knowing I will get it once more.“ Als Album fühlt sich „YU“ letztlich wie ein Werk an, dass aus Zwischenspielen, Hooks und einer wachsenden Reife von einer Frau zusammengenäht wurde, die mit neuen Waffen und dem Selbstvertrauen diese auch zu benutzen weiß.

9.3