Rico Nasty – Nightmare Vacation

Während RICO NASTY sich bisher darauf konzentrierte, bis an die äußersten Enden Ihrer Grenzen zu drängen – Rock, Screamo und rücksichtslosen Punk direkt in ihren Rap zu backen – zeigt sie mit dieser Platte ihre Fähigkeiten, als Künstlerin auch im Mainstream zu bestehen.

In einem Jahr, in dem Künstlerinnen überall grenzüberschreitende neue musikalische Wege beschritten haben, haben sich nur wenige davon als ebenso rasante Kraft erwiesen wie Rico Nasty. Nachdem sie sich in den letzten Jahren mit einer Reihe feuriger Mixtapes einen Namen machte, ist „Nightmare Vacation“ nun ein knurrendes Debüt, das einen zittern lässt und bei jeder Wendung hart trifft. Ihr Debüt springt von Punk über Rap, Hip Hop, Pop, R&B und wieder zurück. Es sprudelt vor der Elektrizität einer Künstlerin, die genau das tut, was sie will und im Chaos gedeiht. Am besten in ihren eigenen Worten auf dem stacheligen Opener „Candy“ zusammengefasst, spuckt sie uns die Worte “On a dark and stormy night, I don’t blend in, bitch, I shine bright” entgegen und diesen Glanz erleben wir auf der gesamten Platte.

„No Debate“ beginnt vielversprechend mit einem verführerischen und hypnotischen Beat, aber 30 Sekunden später wird klar, dass etwas fehlt. Es ist, als ob Rico’s virulente Disposition für eine etwas düsterere Melodie sanft versteckt worden wäre. Tatsächlich ist diese erschütternde Verschiebung tief in „Nightmare Vacation“ verankert. Rico wählt das Drama entweder mit chaotischem Gegröle oder verteilt Süße, wenn die Stimmung es zulässt. Trotz der Vulgarität, die der Name andeutet, beschreibt „Pussy Poppin“ ein kurzes und fröhliches Toben, das Rico auf amüsante und eingängige Weise wiedergibt. „Own It“ ist ein unbestreitbarer Clubbanger, der die schwärmerische Haltung der Rapperin mit genau der richtigen Menge an entspannter Assonanz in Einklang bringt.

Die Kirsche auf „Nightmare Vacation“ ist die Aufnahme von Rico’s 2018er Single „Smack a Bitch“ sowie ein wilder Remix. ppcocaine, Sukihana und Rubi Rose zertrümmern Ihre Gitterstäbe mit solch unbestreitbarer Wut, dass die Tatsache, dass der Hit über zwei Jahre alt ist, sich obsolet anfühlt. Alle drei Frauen erheben sich zu diesem Anlass mit einem konfrontativen und lauten Gesang, bei dem man sich als Hörer schon verurteilt fühlt, wenn man nur mit dem Kopf zum mürrischen Rhythmus nickt. „Nightmare Vacation“ ist auf die beste Art und Weise beißend und aggressiv. Eine Künstlerin tritt in den Hype ein, der sie seit Jahren umgibt, und liefert ihn zehnfach aus.

8.4