Rhye – Home

HOME ist eine ehrgeizige Anstrengung und enthält einige der aufregendsten Musikstücke, die von RHYE jemals veröffentlicht wurden. Es gibt auch Enttäuschungen auf dem Album, aber wo die erste Hälfte die eigenen Ansprüche verfehlt, zeigen die folgenden Tracks die Beherrschung von Stil und Konvention, die RHYE so einzigartig machen.

Kurz vor der Veröffentlichung von „Home“ stürmte Rhye zum ersten Mal mit „Come In Closer“ an die Spitze der Billboard’s Hot Dance/Electronic Charts, einer leichteren Nummer, die die Saiten und einen Hauch von Funk in der Basslinie stärker nutzen. Dieser Song, sowie die Roland LeFox-Kollaboration – das fein gewebte „Sweetest Revenge“, das mit seiner schlängelnden Basslinie an Kleeer’s langsamen 80er Jam-Klassiker „Intimate Connection“ erinnert – sorgen dafür, dass „Home“ unverkennbar nach Rhye klingen und eine offensichtliche Entwicklung zeigen. Milosh’s Ansatz (wie Rhye im realen Leben heißt) als Songwriter und Sänger hat sich nicht wesentlich geändert. Er spricht immer noch seine Geliebte an, lässt sie wissen, wie er sich fühlt, und kommuniziert jederzeit auf einer intimen Ebene. 

Überall finden sich Hinweise auf (ruhige) Stürme, Wellen und Regen, die mit wörtlichen und metaphorischen Zwecken gemalt wurden. Das vorherrschende Gefühl des Trostes (in der Tat zu Hause) ist am tiefsten in „Come In Closer“ zu spüren, wo Milosh einen Besucher mit „You made it through these rough waters, and your hair’s still wet/Come in from the cold“, begrüßt. „Home“ bewegt die Dinge in eine mutigere, hellere neue Richtung. „Safeword“ hebt Milosh’s bewährte Formel hervor und überzeugt durch weiche spanische Gitarren und Flöten-ähnliche Synthesizer, bevor sie in ein weiches, verletzliches Outro übergehen, während Milosh den Hörer bittet, „be careful with me.“

Die stärksten Momente, wie „Hold You Down“ und „Black Rain“, sind jedoch mit der Art von expansiver Hi-Fi-Orchester-Pop-Produktion gefüllt, die nur darum bitten, von Jens Lekman gesampelt zu werden. Andere Momente sind weniger fesselnd, entweder fallen sie in den gleichen Dunst früherer Veröffentlichungen wie „Helpless“ und „Sweetest Revenge“, oder erliegen ganz dem Äther, wie „Need a Love“ und der sich wiederholende Rhythmus von „Holy“. Da dieses Album von Rhye letztlich das mit den meisten Ebenen ist, war Milosh weise genug, den brillanten Alan Moulder (My Bloody Valentine, Nine Inch Nails, The Killers) als Mischtechniker einzusetzen. 

Jede Änderung zahlt sich aus und auch wenn es „Home“ an der Konsistenz früherer Platten mangelt, ist es ein starkes Argument für Rhye als Popstar, der in den Startlöchern à la Weeknd steht – dank einer Stimme, die vielseitig genug ist, um jede instrumentale Passage gewinnbringend zu ergänzen.

6.5