Razorlight – Slipway Fires

Fast wäre aus dem ehemaligen Libertines-Mitglied Johnny Borrell bereits Anfang 2002 ein ganz großer geworden, dann wäre er an Stelle von Gary Powell hinter dem Schlagzeug verschwunden und zusammen wäre vielleicht eine andere Version des meisterhaften Debüts ‚ Up The Bracket ‚ heraus gekommen. Aber all diese Spekulationen sind nun sechs Jahre später entgültig vom Tisch und auch nicht mehr weiter von Bedeutung. Die Libertines gibt es schon lange nicht mehr, Gary Powell und Carl Barât spielten die letzten drei Jahre gemeinsam bei den Dirty Pretty Things und Johnny Borrell ist nach dem Weggang umgestiegen auf Gesang und Gitarre. Es ist wahrlich viel passiert und nach der Auflösung der Dirty Pretty Things vor einem Monat kommt nun das dritte Werk ‚ Slipway Fires ‚ von Razorlight in die Läden. Voran ging die erste Single ‚ Wire To Wire ‚ die im Clip dazu, Powell über drei Minuten mit einem kleinen Streichholz zeigt – zu pechschwarzem Hintergrund. Hier zeigt der Song leider schon was auch das komplette Album im Gegensatz der vorherigen Platten nicht mehr hat: Potenzial und Ideenreichtum. Alles wirkt kontrolliert und abgeklärt, nur selten lassen Razorlight sich mal etwas mehr gehen wie auf ‚ Hostage Love ‚, wo Sie unverkrampft und befreit aufspielen. Wie wichtig die dritte Platte für Razorlight und auch die Plattenfirma Universal Music dabei ist, bekamen die Menschen von der Presse als erstes zu spüren. Die Promo CD konnte zum Beispiel auf keinen PC wiedergegeben werden, das Video zu ‚ Wire To Wire ‚ stammt von dem zweimaligen Oscar-Nominierten Stephen Frears und die Songs wurden durch eine Tiefenreinigung von sämtlichen Unreinheiten und Irritationen befreit. So präsentieren Uns Razorlight nun also die elf neuen Tracks, ohne Überraschungen und ohne Spannung plätschern die Melodien von Anfang zu Ende und lassen dabei jegliche Spontanität vermissen. Hier wurde definitiv der Weg zum breiten Publikum gesucht und dabei gingen die vier Londoner viele Kompromisse ein. Vorbei sind die glänzenden Momente eines ‚ America ‚ oder die musikalische Unbeschwertheit auf ‚ In The Morning ‚. Sie verbinden zwar auch jetzt wieder Elemente der 60er Jahre Pop, Motown und Brit-Pop, aber leider klingt es zu monoton und einfallslos um wirklich an die letzten zwei Platten anknüpfen zu können. Doch bevor man die Hoffnungen ganz aufgibt schenken uns die vier Engländer noch einmal die hellen und lebendigen Melodien, die Razorlight einst so sympathisch gemacht haben. ‚ Blood For Wild Blood ‚ sucht seinen Beginn in der Stille, inspiriert den Zuhörer zu mörderischen Gedanken und endlich greifen auch wieder mit dem aufbrausenden Schlussteil die Ambitionen von damals. Aber insgesamt haben Razorlight kläglich bei dem Versuch versagt, die breite Masse zu befriedigen und gleichzeitig „Alternative“ zu bleiben. Nun stehen Sie also genau dazwischen und müssen, um nicht von beiden Seiten verstoßen zu werden, sich entgültig für Eine entscheiden. Ob es dann schlussendlich die Richtige ist, wird die Zukunft zeigen.

6.3