Protomartyr – No Passion All Technique

Im fernen Jahr 2011 wurden in nur vier Stunden Studiozeit 21 berauschende Songs aufgenommen. Die meisten haben ihren Weg auf das Album gefunden und ironischerweise wurde diese als „No Passion All Technique“ betitelt. Die oftmals schlampige Umsetzung destilierte den Geschmack der Band heraus und formte einen hyperventilierenden Post-Punk mit Garage-Rock-Untertönen. Im Mittelpunkt stand natürlich der Mann mit der markanten Stimme selbst: Sänger Joe Casey. Im Rückblick haben sich eine lyrischen Formulierungen beständig weiterentwickelt, seine philosophischen Überlegungen wurden tiefgründer, seine existentiellen Ansichten verheerender. Aber das soll nicht heißen, die früheren Texte wären einfältig gewesen. Die verblassende Erinnerung erfährt in dieser Konsequenz eine Aufrischung und darf sich in der Nostalgie reiben.

„No Passion All Technique“ erscheint als Deluxe Edition, einschließlich 4 Songs, die bisher noch nicht das Tageslicht erblickt haben. „I will not have a drink / I will touch the screen no more“, singt Casey auf der ersten Single „Jumbo’s“ und taucht tief in seine Seele ein, während die Band um ihn herum kämpft und tanzt. Die lang erwartete Veröffentlichung von „How He Lived After He Died“ ist etwas besonderes, da die Rhythmen euphorisch steigen und fallen, herzzerreißend lehnt sich die Gitarre nach vorne und präsentiert uns einen Riff, der sich selbst in einer Endlosschleife nach jeder Drehung wieder neu erfinden würde.

Die vier Bonustracks halten mühelos die Qualität bis zum Ende des Albums. Zu hören gibt es hier eine schwarzgefärbte Surfgitarre in „King Boots“ und einen mechanischen Marsch durch dekonstruierte Geräusche während „Cartier E.G.s“. Statisch anschwellende und knisternde Wolken ziehen im letzten Stück auf und es ist ein Segen für alle Anhänger von Protomartyr, dass diese Platte endlich zu einer Neuauflage geführt wurde.

9.2