Postdata – Twin Flames

Es ist eine sanft therapeutische, aber jubelnde Kluft, die dieses dritte Album von POSTDATA definiert und auf die Entstehung in sozial abgeschiedenen Verhältnissen zurückzuführen ist.

Der Sänger Paul Murphy von Wintersleep geht mit seinem dritten Album „Twin Flames“ erneut auf eine ungefilterte Entdeckungsreise, sucht Trost in seiner Umgebung und nutzt dafür einen einsamen Aufnahmeprozess, um sich weiter in sein Inneres Ich zu wagen. „Twin Flames“ wurde aus einem nahezu absoluten Gefühl der Autonomie geboren, wobei Murphy seinen Gesang allein aufgenommen hat. „Haunts“ zum Beispiel befindet sich in einer unauffälligen Produktion eingebettet, während es an anderer Stelle zu seismischen Refrains übergeht, die an Sufjan Stevens und Beirut erinnern, insbesondere in „Inside Out“. Letzteres verkörpert ein Album, das nie ganz zufrieden damit ist, den Mittelweg einzunehmen und lieber zwischen lebensbejahendem Eifer und nachdenklichen Zahlenspielen schwankt.

Und wie der Titel des Songs „Nobody Knows“ andeutet, ist dies ein Album, dass in der Dualität von Konflikten versickert – und hier ist es im lyrischen Inhalt vorhanden, wenn Murphy mit einer Liste seiner Fehler und Versäumnisse gegen die Paul Simon-ähnlichen Gitarren ringt: „I’m not good when the party’s packed / I’m not good when there’s nobody left / I’m not good when I’m all by myself / I fear for my health.“ Trotz der Selbstkritik erscheint Murphy rational. Mit einer atmosphärischen Kanone im Rücken gibt es eine tief empfundene Transzendenz zum Titeltrack. Textlich betrachtet er Hoffnung und Vergnügen – ebenso wie die Akzeptanz seiner Fehler. Es ist introspektiv, grenzenlos und trotzig, während sich Murphy seinen Mängeln einen Spiegel vorhält.

„Twin Flames“ ist eine Platte die aufgenommen werden musste – und nicht nur inmitten unseres täglichen Lebens konsumiert werden darf. Es erfordert unsere Zeit, um die Details und den Charme zu schätzen. „Twin Flames“ ist ein kontemplativer, aber fröhlich flüchtiger Geist, der sich gleichzeitig unpassend anfühlt, aber einem anarchischen Zustand der Entspannung entspricht und trotz vieler Ideen und Einflüsse perfekt zusammenpasst.

7.9