Placebo – Battle For The Sun

Auch das 6. Album gestaltet sich in Placebo typischer Manier: Bei vielen zeigte sich Ende April eine spontane emotionale Freude, die sich nach außen hin auf der imaginären Skala zwischen einem leichten Lächeln und einem Freudenschrei geäußert haben dürfte. Den ersten musikalischen Auszug brachten uns Placebo paar Tage darauf mit der Single ‚ For What It’s Worth ‚, die Ihre Premiere am 20. April feierte. Der langhaarige Brian Molko zeigte in dem dazugehörigen Video, was personifizierende Etiketten so alles anrichten können, einige allerdings offensichtlicher mehr als andere. Der Song selbst vertritt die bekannten Merkmale des englischen Trios, rund um den neuen Schlagzeuger Steve Forrest. Druckvoll aber doch mit leicht entschärfter Peitsche stürmen Sie mit einer simplen Struktur durch die 3:14 Minuten hindurch. Wesentlich interessanter gestaltet sich hier schon der Titeltrack ‚ Battle For The Sun ‚, der ebenfalls seine Premiere im Radio feierte und anschließend zum kostenlosen Download auf der offiziellen Placebo Seite bereitstand. Manche meinen die ersten Minuten wären recht schleppend, andere finden es einfach nur verdammt gelungen, erfrischend anders ist das eigentliche Stichwort und erfüllt trotz allen Ausflüchten den typischen Sound von Molko und Steve Olsdal. Gerade die langgezogenen Sätze zu Anfang “ I will battle for the sun/ And I won’t stop until I’m done/ You are getting in the way/ And I have nothing left to say“ und die sich permanent wiederholenden Worte im gesamten Titeltrack, lassen diesen so besonders erscheinen. Brian meinte vor einiger Zeit selbst zur neuen Platte: „I believe ‚Battle for the Sun ‚ to be the first of our albums to tell a story over the course of its 52 minutes. Our previous releases were really only collections of songs and even though the songs are ordered according to the musical flow.“ Die Geschichte selbst beginnt kompromisslos und unvermittelt, wenngleich es natürlich den brachialen Einstieg von ‚ Bulletproof Cupid ‚ nicht ersetzen kann. Es zwängt sich vielmehr zwischen diesem und ‚ Meds ‚ und übergibt an das schnellere ‚ Ashtray Heart ‚. Zu Zeiten von ‚ Black Market Music ‚ musste man die Suche nach offensichtlichen Hits schon frühzeitig aufgeben und erkennen, dass Eingängigkeit und wirbelnde Riffs hier definitiv nicht zu finden sind. Ganz anders läuft es dagegen bei ‚ Battle For The Sun ‚ mit seinen drei potentiellen Hits zum Auftakt, die erst durch ‚ Devil In The Details ‚ mit verhangenen Visionen Ihr Heil im Abstrakten suchen. Die düstere Faszination umhüllte Molko schon seit Anbeginn der Karriere in dunkle Schattengebilde und zieht auch diesmal das mediengerechte Image auf die Band. Nichts desto Trotz folgt nach zwei kleinen Hängern mit ‚ The Never ‚ eine ziemlich straighte Rocknummer mit netten Gitarreneffekten und einem krassen Schnitt zum nächsten Song ‚ Julien ‚. Eine Electro-Pop-Beat-Nummer, die sich gegen Ende dann noch eines anderen besinnt, die Konturen schweifen lässt und die Gitarren aus der Ecke nimmt. Nach der folgenden Ballade ‚ Happy You’re Gone ‚ entschwinden Placebo wieder unseren Augen und jagen bereits mit großen Schritten dem Ende entgegen. Nach ‚ King Of Medicine ‚ verabschiedet sich das Trio dann entgültig, jedoch zu keinem Zeitpunkt von Ihrem erfolgreichen Markenzeichen. Und schließlich haben Sie es auch gar nicht nötig. Placebo haben noch nie ein schlechtes Album abgeliefert und tun das auch mit ‚ Battle For The Sun ‚ nicht. Headliner auf sämtlichen Festivals in diesem Jahr und damit der Kommerz schlussendlich auch nicht zu kurz kommt, gibt es vom stink-normalen MP3 Download bis zur super-streng-limitierten und exklusiven Deluxe Edition alles für den aufgeschlossenen Placebo Fan von Heute. Über den Geschmack lässt sich streiten, aber eines ist dagegen sicher: Brian, Stefan und Steve werden sich in diesem Jahr zu den großen Abräumern zählen dürfen – Gegönnt sei es Ihnen.