Pearl Jam – Gigaton

Die Stimmung des Songs „Seven O’Clock“ trifft das Herz von Pearl Jam’s erstem Album seit über sechs Jahren auf den Punkt. „Much to be done“, singt Eddie Vedder und führt die Worte im Schlussakt des Songs mit einer atemberaubenden Melodie zusammen. „Much to be done“, wiederholt er dabei immer wieder. „Much to be done, much to be done.“ Auf „Gigaton“, der ersten Platte, die Pearl Jam während der Trump-Amtszeit aufnahmen, hat die Gruppe die ansteckende Angst von „Jeremy“ und „Alive“ mit einem Gefühl der Zärtlichkeit und sogar blitzender Hoffnungsschimmer vermischt. Obwohl Trump nicht der einzige Schwerpunkt des Albums ist, gibt Vedder dem Präsidenten viel Sendezeit. Auf „Quick Escape“, einer klobigen Hymne mit einem echoartigen U2-ähnlichen Riff, beschreibt Vedder seine Reise “to find a place Trump hadn’t fucked up yet.”

Es ist sieben Jahre her, dass diese berühmten Söhne von Seattle – und tragischerweise der letzte der vier großen Söhne der Alt-Rock-Revolution der 90er Jahre mit ihrem ursprünglichen Leadsänger – ein Album veröffentlicht haben. Fast 30 Jahre (und fünf Schlagzeuger später), die von ihrem Debüt „Ten“ aus dem Jahr 1991 entfernt liegen, tauchen Pearl Jam wieder in unserer neuen Welt auf. Sie sind eindeutig unerschrocken. Zumindest musikalisch, da das Album von Flecken der Angst, Furcht und Wut durchdrungen ist, die sich angemessen, deprimierend und kathartisch anfühlen – auch wenn viele der Songs selbst nicht lyrisch explizit daherkommen. Produziert vom langjährigen Techniker Josh Evans und den Bandmitgliedern, beginnt „Gigaton“ mit einem atemberaubenden Hattrick, der dem Namen des Albums mehr als gerecht wird.

Es ist ein Album, das sich auch durch seine musikalische Elastizität auszeichnet. Nehmen wir zum Beispiel das von Jeff Ament verfasste „Alright“, eine gedämpfte Ode an die Selbstständigkeit, bei der Kalimba-Noten als Rückgrat dienen. Oft ist „Gigaton“ jedoch eine Platte, die von einem Gefühl brennender Empörung angetrieben wird. Über eine hämmernde Basslinie gibt „Quick Escape“ einen apokalyptischen Bericht aus einer Zukunft heraus, in der die Menschheit auf dem Mars gestrandet ist. Nach dem schnellen Rasseln von „Never Destination“ und „Take The Long Way“ sinken die Dezibelwerte von „Gigaton“. Doch auch hier verstärkt sich die Emotion weiter. „Buckle Up“ ist ein Schlaflied-ähnliches Gewirr aus Traum und Erinnerung. „Retrograde“ ist eine langsam brennende Meditation über den Klimawandel, während „Comes Then Goes“ über „incisions made by scalpel blades of time“ nachdenkt. 

Als erstes Album der Band seit „Lightning Bolt“ aus dem Jahr 2013 wird auf klangliche und emotionale Details geachtet, wobei der Schwerpunkt auf musikalischem Licht und Schatten liegt, was sich auch in der langen Spielzeit niederlegt. Wenn wir uns, wie Vedder sagt, in einem kollektiven Zustand befinden – und es fühlt sich auf jeden Fall so an – ist es schön, diese Jungs zurück zu haben, um diesen Endzeiten ein wenig Schwung zu verleihen.