Paul Weller – Fat Pop (Volume 1)

Obwohl er erst letzten Juli das großartige „On Sunset“ veröffentlicht hat, lässt PAUL WELLER mit FAT POP (Volume 1) bereits das nächste Album folgen und beginnt mit dem Gefühl eines Mannes in Eile.

Das eröffnende Stück „Cosmic Fringes“ zeigt uns einen roboterhaft klingenden Paul Weller, der mit einem Synthesizer bewaffnet, den David Bowie aus der Scary Monsters-Ära kanalisiert, und in etwas mehr als zwei Minuten zum Ende gelangt. „True“ braucht dann noch weniger Zeit, um rhythmisch in Sichtweite zu gelangen, mit Lia Metcalfe von The Mysterines zu singen, seinen Refrain ins Mikrophon zu bellen, das Ganze in einen Jazz-Soul-Zusammenbruch zu treiben und ein Gitarrensolo heraufzubeschwören, bevor es zum Stillstand kommt. Es ist eine Wirbelsturmöffnung, die alles über Weller’s derzeitige Kühnheit aussagt. Die Trad-Rock-Sackgasse, in der er Ende der 90er Jahre steckte, ist längst einer fruchtbaren Zeit gewagter, künstlerisch abwechslungsreicher Platten gewichen. Er scheint bewundernswert unbesorgt über die Gedanken seiner Fangemeinde zu sein, von denen ein beträchtliche Menge wünschte, Weller würde immer noch so klingen, wie er aussieht.

Angeblich wurde die Fortsetzung des letztjährigen Albums „On Sunset“ während des Lockdowns aufgenommen. Anstatt zu touren, schloss sich Paul Weller einfach im Studio ein und nutzte diese aufgestaute Energie, um neue Musik zu kreieren Das Ergebnis ist eine wahre Freude: Eine großzügige Sammlung von fachmännisch gestalteten Pop Tracks, die sowohl mit der Finesse eines Künstlers mit fünf Jahrzehnten Erfahrung als auch mit der Leichtigkeit des eigenen Schaffens entstanden sind – und eigentlich auch nur dann entstehen können, wenn grenzenloser Spaß der Antrieb ist. Weller hat die Platte als eine Sammlung von Tracks beschrieben, die als eigenständige Singles funktionieren könnten. Es ist unglaublich instrumentell vielfältig und springt von den siedenden Trip-Hop-Beats des Titeltracks und dem ohnmächtigen orchestralen „Glad Times“ zur Jazzflöte von „Testify“. Trotzdem lässt er sich von all dem Genre-Hopping nicht davon abhalten, emotional in die Tiefe zu gehen.

Schlank, präzise und zielgerichtet pfeifen die 12 Tracks in etwas mehr als 35 Minuten vorbei. Die Produktion wird im Einklang mit den Einschränkungen des Lockdowns bewusst reduziert und zugleich gedeiht Weller auch weiterhin prächtig – weil er eben nur das tut, was er will und letztlich für richtig hält.

7.9