Parts & Labor – Receivers

Die Daten kurz aufgezählt: Es ist das fünfte Studioalbum der Noise-Pop Gruppe Parts & Labor aus Brooklyn, New York. Aufgenommen in einem ehemaligen Boxring, produziert und abgemischt von Dave Fridmann (Flaming Lips). So sieht es aus. Ein wenig mehr in Wallung geraten dagegen Aussagen, die Band sei in erster Linie eine Art-Rock-Band, obwohl man ebenfalls argumentieren könnte: Parts & Labor sind auf einer gewissen Ebene dem Punk durchaus nicht abgeneigt. Dieser Teil der Band ist natürlich nicht so stark entwickelt und lebt größtenteils durch einzelne Momente, die dafür umso druckvoller durch die Boxen krachen. Aber gehen wir zum eigentlichen Teil zurück und greifen hier das Stück ‚ A Thousand Roads ‚ auf. Es gehört zu den vielen lyrischen Phasen auf dem Album, die von den beiden Mitgründern Dan Friel und BJ Warshaw komponiert wurden. Hierbei gibt es keine Experimente, dafür eine klare Stellungnahme und den Bezugspunkt auf ein bestimmtes Bild. Wie in einem Kreisel erleben wir diesen Moment und verlockend wie Aphorismen, gleiten die Wiederholungen durch unsere Köpfe. Und damit ziehe ich das oben genannte Beispiel ein zweites Mal heran, denn ‚ A Thousand Roads ‚ verkörpert diese Eigenschaft in wunderschöner Vollkommenheit. Hier zeichnen Parts & Labor viele der fragmatischen aber dennoch scharfsinnigen Landschaften: „Come on, praise the progress made, the sharpened grays of a thousand roads / all delays, no lazy days, the latent phase of a thousand roads“. Einen anderen Weg zeigt uns der Opener ‚ Fake Names ‚ und erinnert an schottische Klippen bei nasskalten Tagen. Irgendwie dahinter ertönt ein Dudelsack, vielleicht aber auch ein elektronischer Dudelsack? Der Klang umhüllt langsam unsere Körper und beginnt allmählich in seiner Lautstärke zu wachsen. Die Entstehung mitzuverfolgen ist Zauberhaft, der Sound mysteriös und auch ein wenig gruselig, während die Band die Pfade aufkeimender Klagelieder nicht verlassen will. Aber ist die notwendige Voraussetzung, die treibenden Melodien nicht aus dem Blick zu verlieren. Ihr schleichender Gang, die aufgesetzte Sicherheit und innere Ruhe, die dann plötzlich hart und unvermittelt auf uns einschlägt. Wir fühlen uns alleine und zurückgelassen. „Good luck, constant future, I think I will stay and rest / let the wagons pass me by, never look them in the eye / good luck, constant future, always heading west“. Der Ausdruck „Constant future“ verhält sich dabei wie eine verschlingende Kreatur, die durch endlose unverfüllte Versprechen angeheizt wird. Dennoch verspricht uns das Album eine herzhafte Moral und dreht dabei die Trostlosigkeit in Pessimismus und Ermutigung um. Es sind verwirrende Momente, die durch ein futuristisches, mechanisch klingendes Orchester noch verstärkt werden. Doch insgesamt haben Parts & Labor nicht viel geändert und klingen in manchen Songs schrecklich vertraut. Aber kann man es einer Band verdenken, die so erfolgreich versteht damit umzugehen?

6.2