Norah Jones – Pick Me Up Off the Floor

Manchmal sind die Reste genauso gut und vielleicht sogar besser als das Hauptgericht, aus dem sie stammen. Auf diesem Konzept basiert Norah Jones’ erstes Album seit vier Jahren. Die Songs entspringen größtenteils Skizzen, die für Jones’ vorherige Veröffentlichung „Daylight Again“ aus dem Jahr 2016 erstellt wurden. Sie sollten nie ein Projekt umfassen, aber als Jones ihre Demos hörte, fand sie, dass es sich lohnt, sie erneut zu erforschen, mit Unterstützung aufzunehmen und herauszugeben. Es war ein kluger Schachzug. Der erste Eindruck dieser elf Tracks ist, dass es sich um ein weiteres angenehmes, ziemlich normales Norah Jones-Set handelt. Die gedämpften klaviergetriebenen Melodien finden den einzigartigen Raum, den sie zwischen Jazz, Pop, Blues, Country und Gospel geschaffen hat, ohne explizit wie eines dieser Genres zu klingen. 

Ihre plüschige, sofort erkennbare, wohlklingende Stimme trägt die geschmeidigen Melodien und erweitert diese durch subtile, aber effektive Hörner, Violine, Streicharrangements und Hintergrundgesänge. „Pick Me Up Off the Floor“ ist fest in der Jazz-Folk-Pop-Visitenkarte von Jones verwurzelt. Ein Teil des Zusammenhalts mag darauf zurückzuführen sein, dass ein guter Teil des Albums von ihrem Schlagzeuger Brian Blade gestützt wird, aber auch die Zusammenarbeit mit Jeff Tweedy ist fest in den Grundstrukturen der Songs verankert. Das Gleiche gilt für „Pick Me Up Off The Floor“ im Allgemeinen. Es gibt Akzente und Schnörkel, die die Melodien auszeichnen – „Flame Twin“ wird von Gitarren und Orgelabstrichen aufgeladen – „To Live“ zieren gedämpfte Hörner direkt aus dem Big Easy. 

Aber als eine Sammlung von Liedern betrachtet, betont sie wie schlau und elegant Jones eine Pop-Sensibilität mit einer Jazz-Ausführung synthetisiert, eine Fusion, die beruhigend ist und sich dennoch auf ihre eigenwilligen Wendungen verlässt. Diese Mischung aus Wärme und Erfindung ist das, was „Pick Me Up Off The Floor“ so reizvoll macht: Die Form mag vertraut erscheinen, aber die Konstruktion der Songs und der Erfindungsreichtum der Aufführung halten diese auch nach dem ersten Hören frisch und überraschend.