Noah & The Whale – Last Night On Earth

Noah And The Whale und Mumfords & Sons. Die Ähnlichkeiten liegen servierbereit auf dem Tisch. Die stimmlichen Komponenten zwischen Charlie Fink und Marcus Mumford harmonieren in idyllischen Träumereien und auch der verlangsamte akustische Sound schlägt oftmals direkte Parallelen über die angrenzenden Universen. Dennoch war es nicht immer so. Charlie Fink und seine Band verfolgten einen gewinnbringenden Folk-Pop (ein Jahr später veröffentlichen Mumford & Sons Ihr Folk-Album) und lenkte diesen geschickt durch das konfessionelle Elend. Dieses Treiben ging über zwei Platten und fand nun sein vorläufiges Ergebnis im glänzenden Gewand der glatten Rockmusik. Viele haben diese neue Iteration im Vorfeld gefürchtet, doch insgesamt ist ‚ Last Night On Earth ‚ ein funkelndes Stück Arbeit geworden. Im Gegensatz zu ‚ The First Days Of Spring ‚ aus dem Jahr 2009, ist das jetzige Album meist sehr hell, luftig, optimistisch und poliert. Man spreche auch von einer ungehemmten Radiotauglichkeit. So zu hören in der ersten Single ‚ L.I.F.E.G.O.E.S.O.N. ‚ mit einem gewissen Tom Petty Einschlag. „Lisa likes brandy and the way it hits her lips/ She’s a rock’n’roll survivor with pendulum hips”. Generell ist die erste Hälfte des Albums mit warnden Geschichten übersät, dessen Erzählstruktur fast ausschließlich in der dritten Person geführt wird. Der Opener ‚ Life Is Life ‚ sprudelt vor einer euphorischen Sehnsucht und blickt mit großen aufgerissenen Augen optimistisch in die bevorstehenden Abenteuer. ‚ Tonight’s the Kind of Night ‚ verliert aber schnell das Ziel vor Augen und übt sich in faden Plattidüden: „Tonight’s the kind of night where everything could change“. Der Gesang von Fink überzeugt auch bei dem dritten Studioalbum, doch leider wurde der volkstümliche britische Akzent aufgeben. Und dann wären da noch immer diese vermeidbaren Fehltritte: ‚ Give It All Back ‚, ‚ Wild Thing ‚ und ‚ The Line ‚ sind beladen mit Synthesizern, Gospel Sängern, polierten Gitarren, einer lebensbejahenden Einstellung, euphorisch und die heile Welt darf auch nicht fehlen. Zu viel für meinen Geschmack. Wirklich überzeugen Noah And The Whale im Track ‚ Just Me Before We Met ‚ und erreichen damit auch einen Punkt der absoluten Glaubwürdigkeit. Ebenfalls das abschließende Stück ‚ Old Joy ‚ berührt mit seinem langsamen Beginn und der vorsichtigen Steigerung zu einer Neufindung und Wiederentdeckung alter Stärken. Es sollte selbstdarstellende Metapher für Noah And The Wahle sein. Doch leider werden diese Schlüsse zu spät gezogen und überdecken damit nicht die durchwaschenden Minuten der letzten halbe Stunde.

6.2