Nao – And Then Life Was Beautiful

Was NAO – die im Frühjahr 2020 ihre Tochter zur Welt gebracht hat – bei diesem, ihrem dritten Studioalbum, wirklich ganz herausragend machte, ist, dem Ganzen das gleiche positive Gefühl zu verleihen wie sein Name AND THEN LIFE WAS BEAUTIFUL

Der eröffnende Titelsong erinnert an das gefühlvolle Zeitalter des R&B der frühen 2010er Jahre, als Stars wie Elle Varner von bluesigen Akkorden und zutiefst emotionalen Texten lebten. Nao gibt uns einen Moment, um uns selbst zu fangen: “Here’s a moment just to think about, think about all that is you / Take a second just to breathe it out”. Der Track verwendet flatternde Mandolinen-Loops, wie man sie auf „Pink + White“ hört, einem Track aus Frank Ocean’s zweitem Album „Blonde“. Nao hat die Platte dieses Mal als Inspiration für ihren organischen und akustischeren Sound zitiert. „And Then Life Was Beautiful“ bietet einen interessanten Blick auf die jüngsten Ereignisse. Sein Sound ist nicht traurig oder klaustrophobisch oder wehmütig, sondern luftig und traumhaft, fast euphorisch.

Nao’s Ausdruck in „Nothings For Sure“ – „just let the moment take you on its wings“ – demonstriert die engelhafte Reise, auf der die Hörerinnen vom ersten Track an mitgenommen werden. Ein Teil dieser Reise ist mit Nao’s eigenem Eintritt in die Mutterschaft verbunden, vor allem in „Woman“ mit Lianne La Havas, das sich durch seine außergewöhnliche Lyrik auszeichnet. Aufgenommen mit ihrer neugeborenen Tochter an ihrer Brust, strahlt der Track eine selbstbewusste, stärkende Energie aus. Die atemberaubende Schlusszeile “take my mirror out the bag and fill it with confidence”, zeigt eine Veränderung ihrer Selbstreflexion und eine Linderung von früheren Selbstzweifeln. Geschrieben während des Lockdowns, nutzte Nao die Gelegenheit, sich mit dem „kaleidoscope of life“ („Glad That You’re Gone“) auseinanderzusetzen. 

Das Album bietet uns eine ähnliche Gelegenheit, aber während viele mit Lockdowns als schwierige Unterbrechung konfrontiert waren, schafft „And Then Life Was Beautiful“ eine wohltuende Atempause. Für eine Musikerin, dessen Arbeit davon abhängt, sich entspannt und locker zu fühlen, vergisst man leicht die Präzision, mit der Nao jedes Element auswählt. Kollaborateure sind da keine Ausnahme – und das Gospel-geprägte Duett mit dem US-Musiker serpentwithfeet auf „Postcards“ ist ein Album-Highlight. Wie immer gleitet Nao über die 13 Songs zwischen R&B, Soul, Gospel, Funk, Afrobeats und ihren scholastischen Wurzeln im Jazz hinweg. Zu Beginn ihrer Karriere spielte Nao mit elektronischen Synthesizern, bevor sie sich dem kommerzielleren R&B von „Saturn“ zuwandte. Mit diesem Album gibt es eine sehr tiefgreifende Wertschätzung für dieses Genre.

9.4