Mumford & Sons – Sigh No More

Mumford & Sons veröffentlichen Ihr Debüt. Es heißt ‚ Sigh No More ‚ und nun die große Überraschung: Die Platte klingt exakt so, wie man sich den Sound unter diesem biederen Bandnamen vorstellt. Sanft, ruhig, viel akustische Gitarre und bewegende Emotionen. Das sind die anfänglichen Gedanken nach den ersten Minuten zum Opener und gleichnamigen Titeltrack ‚ Sigh No More ‚ der mit den recht schmalzigen Textzeilen „Serve God love me and men/ This is not the end/ Lived unbruised we are friends/ And I’m sorry/ I’m sorry“ nicht unbedingt die aufdrängenden Vorurteile beiseite kehren kann. Egal wird man sich nach dem Ende des Openers denken und selbst darüber lächeln, wie die eigenen Vorurteile mal wieder die kurzzeitig die Überhand gewinnen konnten. Grund für den rapiden Meinungswechsel über Mumford & Sons ist die unerwartete Tempoverschärfung mit einem treibenden Marcus Mumford am Schlagzeug, der auch im zweiten Stück ‚ The Cave ‚ schnell das Ruder an sich reißt. Nun hat man also die Philosophie dahinter entdeckt und wird kurz darauf zum zweiten Mal vor den Kopf gestoßen. Dieses Mal sind es die Trompeten im dritten Stück ‚ Winter Winds ‚ und den breitgefächerten Arrangements. Es ist ein bisschen Folk, ein wenig Indie Pop und vereinzelt Bluegrass mit Alternative Rock vermischt. Die übrigen Lücken füllt die angesprochene akustische Gitarre, ebenfalls gespielt von Marcus Mumford. Aber es soll nicht den Eindruck erwecken, als hätten die vermeintlichen Söhne hier nichts zu melden. Denn besonders Ben Lovett am Keyboard beweist hervorragendes Talent im Umgang mit zauberhaften Melodien, lässt ‚ Roll Away Your Stone ‚ erst durch seine Klänge zu einer wunderschönen fröhlichen Musik aufersteigen. Sie klingen wie die Hidden Cameras, nur ein wenig aufgeräumter, zielgerichteter und in jeder Beziehung lauter. Euphorische Beats, Banjo, Streicher, Hörner, malerische Akkorde machen die Stücke von Mumford & Sons scheinbar unantastbar. Ja selbst Noah And The Whale, Johnny Flynn und Laura Marling erblassen neben dieser großzügigen Portion warmer Folk-Torte mit extra viel Sahne. Von den hinreißenden Chören über rustikale Einstiege hin zu romantischen Melodien für’s Herz: Es geschieht in jeder Hinsicht über eine metronomische Regelmäßigkeit. Aber auch melancholisch kann es auf dem Debüt werden, zum Beispiel wenn die ersten Eindrücke des heran fliegenden Winters anrücken. „As the winter winds litter London with lonely hearts/ Oh the warmth in your eyes swept me into your arms/ Was it love or fear of the cold that led us through the night?/ For every kiss your beauty trumped my doubt“ und verkünden im darauffolgenden Stück ‚ Timshel ‚ die düsteren Folgen: „Cold is the water/ It freezes your already cold mind/ Already cold, cold mind/ And death is at your doorstep/ And it will steal your innocence“. Vielleicht klären sich am Ende der Platte manche Sichtweisen und man gesteht sich ein, die erste und auch die zweite Überrumpelung hatten es in sich, doch Mumford & Sons wiederholen trotzdem so manche Aspekte und Winkel in Ihren Stücken zu oft. Allerdings benötigt es dazu eine sehr kritische Sicht auf die Dinge in ‚ Sigh No More ‚ und einen starken Willen, um die drückende Euphorie zu unterdrücken. Denn Mumford & Sons erfinden nichts neu, machen dafür aber so gut wie alles besser. Erfüllen die kalten Herbsttage mit überwiegend wärmenden Gefühlen und hinterlassen einen verdutzten Hörer, der wohl zu keinem Zeitpunkt den berüchtigten „Wow“ Effekt verspüren und trotzdem die Platte nicht so schnell wieder beiseite legen wird. Denn dafür gibt es auf ‚ Sigh No More einfach zu viele Ecken, die entdeckt werden müssen.