Missincat – Wow

Das neue Album von MissinCat heißt schlicht und ergreifend ‚ Wow ‚. Zugleich die zentrale Aussage, klingt das Album doch in erster Linie differenzierter als Ihr Debütwerk ‚ Back On My Feet ‚. Dennoch ist MissinCat dem Minimalismus durchaus treu geblieben. Und obwohl an der neuen Produktion zehn Musiker und zwei Duettpartner mit anderthalb Duzend Instrumenten beteiligt waren, ist darauf nur sehr wenig zu hören. Instrumente sind für sie mehr wert, wenn sie wenig spielen. Zumal wenn es welche sind, die einen ganz eigenen, speziellen Charakter haben wie Banjo, Posaune, Mellotron, Melodica oder singende Säge. So bekommt MissinCats Singer/Songwriter-Musik Facetten, die – divers wie ihre musikalischen Helden Beatles, Velvet Underground, Leonard Cohen, Nick Drake, Billy Holiday und Sigur Rós – neben unüberhörbaren Folk-, Indie- und LowFi-Pop-Elementen auch Kinderlied-, Filmmusik-, Zirkus-, Twang-, kammermusikalische, Jazzcombo-, Walzer- und unzählige andere Motive aufgreift. Die Vielfalt ist also unübertroffen und auch musikalisch zeigen sich auf der Platte starke Momente, die besonders durch die getragene Intensität in glanzvolle Positionen gerückt werden. Ein erstes Beispiel dafür liefert der Opener ‚ Wide Open Wings ‚ mit einem Hauch Swing in anfänglicher Leere, die auf ganz spezielle Art und Weise von MissinCat im Laufe der Zeit mit persönlichen Dingen aus Ihrem Umfeld gefüllt wird. Links ein leises vergnügtes Pfeifen, gleich daneben ein Banjo dessen Gedanken sorgenfrei sein müssen und gegenüber sanfte Handclaps. Faszinierend bleibt bei den weiteren Schritten durch die Räume auch der Sinn, eben auf diese Details in den folgenden Minuten das verstärkte Augenmerk zu legen. Im Fall von ‚ Wow ‚ sind es eben die zahlreichen Instrumente, die auf der Platte alle Ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit zugesprochen bekommen. Ein vergnügliches Piano in ‚ Fly High ‚, danach weht uns in romantischer Weise die aufkommende Westernluft in ‚ Try Me ‚ um die Nase und eine leicht angetrunkene Trompete komplementiert das Gesamtbild auf ‚ Wow ‚. Trotzdem bleibt es kein festes Konzept, denn bei ‚ Little Birdie ‚ treffen die Instrumente das erste Mal aufeinander und gleiten in einer bezaubernden Selbstverständlichkeit durch weitläufige Landschaften. Am Ende schafft MissinCat die zahlreichen Sprünge durch eine musikalisch anspruchsvolle Landschaft in der es nur eine scheinbare Konstante gibt: die einfühlsame Stimme der Sängerin. Sie leitet uns durch anfängliche Irritationen und zeigt uns so Ihre ganz speziellen Charaktere, die uns nach Ende von ‚ Wow ‚ alle eines Blickes wert waren.