MIKA – The Boy Who Knew Too Much

Michael Holbrook Penniman, oder kurz Mika, lebt in London und ist trotz dieser nicht unerheblichen Inspirationsquelle wahrlich in einem anderem Licht zu betrachten, als die Vielzahl seiner städtischen Kollegen. Er ist ungewöhnlich und manche betiteln Ihn schon jetzt mit einem zweiten Nachnamen: Ausnahme. Doch wo die grenzenlose Sonne scheint, da gibt es auch immer einen Schatten. Im Fall von Mika ist dieser nach der letzten Platte ‚ Life In Cartoon Motion ‚ kräftig gewachsen. Er konzentriert sich auf die britische Musik, den Glamour und farbenfrohe Aufmachungen, wie er mit dem neuen Cover zu ‚ The Boy Who Knew Too Much ‚ eindrucksvoll unter Beweis stellen kann. Bunt geht es auch im Booklet zur Sache, kindisch mögen manch andere bei den vielen bemalten Bildchen denken, doch wie man es schlussendlich wenden und drehen möchte: Die Vermarktungsstrategie erhält auch nach dem Öffnen der Platte keinen Verschluss. Für „MIKA’s Magic Numbers“ soll man sich doch bitte anmelden, Punkte verdienen und damit wiederum Zugriff auf kostenlose Videos und Musik erhalten. Und eines spiegelt das übertriebene Artwork dann doch wieder: Mikas lebendige und originelle Klangwelten. Manche mögen Ihm das absprechen, doch braucht es seine Zeit, um die fließenden Melodien mit der hypnotischen und tanzbaren Melancholie zu verstehen. Es wäre falsch sich nach dem ersten Durchlauf ein Urteil zu bilden. Viele sind auch zu befangen, die Vorurteile greifen zu schnell und als Endprodukt steht dann die exponentielle Abwertungen in den Händen. Selbst wenn bei Weitem nicht alles gelungen ist, darf der Mann aus Beirut, Libanon als ernstzunehmender Künstler gesehen werden. Wie schon beim Debüt vor zwei Jahren verhängte der Boss seines Labels höchst persönlich eine Sperre zu Kollegen während der Arbeitszeit. Mika wurde kurzerhand abgeschirmt und stand völlig auf sich alleine gestellt den Tag über im Studio. Es entwickelte sich dadurch eine unorthodoxe Disziplin: Um 10 Uhr aufstehen, im selben Laden zu Mittag essen um Abends um 19 Uhr in die Kneipe. Ziel war es natürlich, die Dinge gleich klingen zu lassen. Es sollte sich auf die Songs abfärben, wie eine schnittlose Szene gedreht werden und spielerisch die einzelnen Stücke miteinander zu verknüpfen. Sieht man nun gezielt auf diesen Aspekt, darf gratuliert werden. Denn dieses Gefühl springt klar auf den Hörer über, doch leider entstand dabei auch der kleine Nebeneffekt, das zu vieles mit dem selben Anstrich übermalen wurde und somit die Abwechslung an Glanz verlieren musste. Es ist oftmals zu viel der zügellosen Happy Hour, der Kopf fängt an zu brummen, die Augen schmerzen bei dem Anblick der grellen Farbkombinationen und der Körper sträubt sich gegen die unzähligen Cocktails im Magen. Gut das sich zwischen Disco-Hymnen, Power Pop und großangelegten Visionen auch die ruhigen Momente Zeit finden, Ihre Betrachtung auf die Welt frei entfalten. Das Songwriting hat Mika selbst übernommen, manchmal stand an seiner Seite Jodie Marr und einmal gibt es auch eine Kollaboration zwischen Ihm und Imogen Heap auf ‚ By The Time ‚. Dabei handelt es sich um eine sanfte Ballade mit einer offenen und optimistischen Einstellung, sowie dem überwältigenden Gefühl einen Song gefunden zu haben, den Imogen Heap auf Ihrer letzten Platte alleine nicht geschafft hätte. Es bedarf die Hilfe des 26jährigen Musikers, um die großen Gesten gebührend einzufangen. Somit ist ‚ The Boy Who Knew Too Much ‚ ein rundes Werk mit Höhepunkten, die besonders bei den Klavier-bestimmten Stücken wie ‚ I See You ‚ und ‚ Good Gone Girl ‚ ins glänzende Licht rücken. Aber manchmal bröckelt der Anstrich und die vereinzelten Schwächen, wie uninspirierende Momente in ‚ Blame It On The Girls ‚ und ‚ Touches You ‚ treten an die Oberfläche. Schlussendlich hat sich Mika im Gegensatz zum Debüt nicht entscheidend verbessern können, doch bedeutet dies keinesfalls Stillstand. Vielmehr festigt sich der sympathische Musiker mit dem zweiten Werk den Stand als ernstzunehmender und grandioser Songwriter.