Michael Kiwanuka – Kiwanuka

Es ist nicht nur sein nachdenklichstes Album, sondern auch Kiwanuka’s hoffnungsvollstes. Afrobeat spielt in seinen ausdrucksstärksten Songs eine herausragende Rolle. Das fühlt sich an wie eine ergreifende Anspielung auf das ugandische Erbe seiner Eltern: Dies sind oft auch die herausragendsten Tracks des Albums. Als Michael Kiwanuka seine Karriere startete, wurde er gefragt, ob er seinen Namen ändern möchte. Niemand würde es aussprechen können. Er wuchs in der überwiegend weißen Nachbarschaft von Muswell Hill auf und in seiner ugandischen Familie wurde die englische Aussprache seines Nachnamens mit gerunzelten Augenbrauen aufgenommen. Er schien zwischen zwei Welten gefangen zu sein. Anstatt sich ständig fehl am Platz zu fühlen, schuf er eine eigene Welt, in der er seine Identität in Ruhe erforschen und in seiner eigenen Zeit in sich hineinwachsen konnte.

Für sein nunmehr drittes Album arbeitete er erneut mit Danger Mouse und Inflo zusammen und nahm das Projekt in Los Angeles, New York und London auf. Es ist sein vollständigstes Werk, eine meditative, weitreichende Sammlung von Synth-Psych, Blues-Rock und stattlichem Folk. Mit seiner sorgfältig ausgearbeiteten Sequenzierung und den nahtlosen Zwischenspielen fühlt sich „Kiwanuka“ wie ein echtes altmodisches Album an, das so konstruiert wurde, dass einige seiner hellsten Momente tief in der zweiten Hälfte der Platte vergraben sind. Das berauschende „Hard to Say Goodbye“ ist eine schöne Klage für einen geliebten Menschen voller schimmernder Synths, sanfter Streicher und Vogelgesang in einem Moment hoffnungsvoller Flucht. Sengende Orchesterstreicher und engelhafte Chöre entführen Kiwanuka bei „Light“ aus dem Chaos in die Ordnung, bis er erklärt: “All my fears are gone… The young…will always need one of their own to lead.”

Gegen Ende des Albums stellt sich Kiwanuka nicht mehr selbst in Frage, seine Besorgnis wird durch Zuversicht ersetzt. In einer Erklärung erklärte er: “It is a kind of defiance. I’m engaging with who I am now and I’m not going to have an alter ego. I can just be Michael Kiwanuka.” Alles hier fühlt sich so an, als ob es als einheitlicher, harmonischer Körper existiert, als ob der Strom von Kiwanuka’s Identität lebendig geworden ist. Aber er setzt sich nicht nur damit auseinander um es zu akzeptieren, sondern auch dafür einzutreten. Dies ist ein außergewöhnlich packendes, reichhaltiges und wirklich menschliches Werk.