Mia Joy – Spirit Tamer

Das Debüt von MIA JOY ist ein Gewirr aus experimenteller Pop Musik – der Mangel an Klarheit lässt SPIRIT TAMER gleichzeitig interessant wirken.

Die Songwriterin Mia Joy aus Chicago hat bei der Produktion ihres Debütalbums keinen Zentimeter von sich geschont, sondern ihre Seele in eine intime zwölf Tracks umfassende Platte gegossen, die sich wie eine Abrechnung liest und wie ein wunderschöner Sturm klingt. „Spirit Tamer“ ist kein sofortig zündendes Album. Wie eine Katze, die an einem Wollknäuel scharrt, lösen sich ihre Lieder in Fäden auf – und mit der Zeit wachsen ihre leisen Abstraktionen zu einem Mantel, der sich wohlig und warm anfühlt. Joy – ihr ganzer Name ist Mia Joy Rocha – wurde von einer Musikerin und einem Dichter erzogen, und die Erziehung in einer so kreativen Umgebung gab ihr den Raum, ihrer Musik eine einzigartige Note zu verleihen. 12 Songs, die als honigsüße Schlaflieder unsere Augen bestreuen, werden uns in eine unerwartete Traumlandschaft entführen.

Der Kern des Albums atmet die Kraft der Wiederholung, während Instrumente wie eine liebgewonnene Erinnerung auf Rocha’s Stimme tanzen, wie der zweite Track deutlich macht. „Ye Old Man“ reitet auf einem einfachen Lo-Fi-Beat, gepaart mit sich wiederholenden Gitarren und einem dominanten Chorus. Der vielleicht beliebteste Track des Albums ist „See Us“ und ein Ort, an dem Rocha in ihrer Form am meisten Autorität fordert. Was mit Windspielen beginnt, die über eine kühle Brise tanzen, wird schnell zu einem ausgewachsenen Windstoß. Was absichtlich heraussticht, ist der Refrain, bei dem der Großteil des Tracks mit der Phrase „I know“ überzogen ist, die immer wieder gesungen wird. 

Die Wahl der lakonischen Stimmstrukturierung dehnt sich auch im weiteren Verlauf des Albums aus und ermöglicht es den Instrumentalstücken, sie voranzutreiben. Äußere Strophen stechen hervor, wenn sie singt: „“I’m not my father, you’re not my mother / I know we can make it different for us“ und „I see us making a name for ourselves“, um zu unterstreichen, was wirklich von Bedeutung ist. „Spirit Tamer“ ist gewaltig und dennoch temperamentvoll. Mia Joy springt durch Stile und erforscht eine Reihe von Themen, ohne bestimmtes Ziel oder einer bestimmten Vision. “I like to be inspired in the moment and was just writing what was coming out of the time. I do think it shows my range of tastes of genres, because I don’t think I would ever be suited for just one sound.” Leise setzt Mia Joy damit einen unauslöschlichen Pinselstrich in der Indie Pop Landschaft.

7.0